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Freunde fürs Leben dank Balu und Du

Ich glaube ich probier’s mit dem hier!“ Konzentriert beugt sich der 11-jährige Henri Laue über das riesige Mikado-Spiel. Ein kurzer Druck auf das Ende eines gestreiften Stabes – dann hält er das Objekt seiner Begierde triumphierend in der Hand. „Du bist dran, Frank. Aber glaub mir, heute gewinne ich.“ ,,Von wegen“,  erwidert Frank Pierstorf, und lacht gut gelaunt. Denn ganz gleich ob er das Spiel gewinnt oder verliert: Sein Ziel hat er schon längst erreicht. ,,Wenn wir Zeit miteinander  verbringen, möchte ich, dass Henri sich wohl fühlt und Spaß hat,“ stellt Pierstorf fest. Dafür legt sich der 32-jährige Informatiker einmal pro Woche bei Balu und Du ordentlich ins Zeug. Ob Tretboot fahren, Minigolfen oder Eis essen: langweilig wird es den ungleichen Freunden nie. „Natürlich haben wir nach gut vier Jahren eine Art Routine entwickelt. Trotzdem entdecken wir bei unseren Treffen immer wieder neue Orte und Aktivitäten.

Balu und Du Teilnehmer Frank und Henri beim Mikado
Balu Frank und Mogli Henri beim Riesen-Mikado

“Dass aus der Teilnahme beim Mentoringprojekt ,,Balu und Du“ eine jahrelange Freundschaft entstehen würde: damit hatte zu Beginn selbst Pierstorf nicht gerechnet. ,,Damals hatte ich einfach Lust mich ehrenamtlich zu engagieren – und das Projekt beinhaltete genau das, wo- nach ich suchte: ein langfristiges Engagement für Kinder, das speziell auf junge Erwachsene zugeschnitten war.“ Die einfache aber wirkungsvolle Idee dahinter: Kinder mit besonderem Förderbedarf erfahren gezielt Aufmerksamkeit durch ei- nen Mentor. Als Vorbild kann er dazu beitragen, dass sie bei gemeinsamen Unternehmungen spielerisch ihre (sozialen) Fähigkeiten verbessern.

,,Deshalb ist es kein Zufall, dass der Name des Projekts ans Dschungelbuch angelehnt ist“, erläutert   Clara Kuse, Koordinatorin des Mentoringprojekts bei den Maltesern in Hamburg. Denn ähnlich wie Mogli würden auch Grundschulkinder häufig durch eine ihnen noch unbekannte Welt irren. Um sich dort zurecht zu finden, seien sie auf einen Beschützer, Freund und Förderer angewiesen – einen Balu eben, der ihnen dabei helfen könne, langfristig auf eigenen Füßen zu stehen. „Genau so ist auch die Rolle unserer menschlichen Balus gedacht.“

Um die Moglis bestmöglich fördern zu können, sind aber nicht nur die Mentoren sondern auch die Malteser auf die Unterstützung von Eltern und Grundschulen angewiesen. ,,Der Förderbedarf von Kindern ist naturgemäß sehr unterschiedlich“, erläutert Kuse. „In den fünf Jahren, die wir das Projekt in Zusammenarbeit mit Balu und Du e.V. anbieten, haben wir die Erfahrung gemacht, dass Schulen diese Potenziale am ehesten wahrnehmen.“ Fällt Lehrern zum Beispiel auf, dass ein Kind sehr schüchtern oder laut ist, können sie es für das Projekt vorschlagen. Die Malteser bemühen sich dann – nach Zustimmung der Eltern – einen passenden Mentor zu finden.

Der Schutz der Kinder hat immer die höchste Priorität.

„Der Schutz des Kindes hat dabei natürlich höchste Priorität für uns“, stellt Kuse fest. Aus diesem Grund durchläuft jeder Mentor ein mehrstufiges Auswahlverfahren. ,,Als erstes treffe ich die Bewerber zu einem persönlichen Kennenlerngespräch“, erläutert Kuse. Anschließend müssen sie dann ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis vorlegen und eine mehrtägige Schulung besuchen. Dort lernen die Bewerber nicht nur den genauen Ablauf des wissenschaftlich begleiteten Projekts kennen, sondern beschäftigen sich auch intensiv mit den Bedürfnissen und Rechten der Kinder. ,,Erst wenn all das erfolgreich absolviert wurde, erfolgt die Zuordnung.“

Balu und Du Teilnehmer Frank und Henri auf dem Spielplatz
Diese zwei haben sich gefunden

Das Matching, wie die Zuordnung auch genannt wird, ist extrem wichtig für den Erfolg des Projekts. ,,Hier entscheidet sich, ob Kind  und Mentor tatsächlich miteinander  harmonieren“, weiß Kuse. Auch deshalb berücksichtigt sie für jedes Tandem eine Vielzahl an Faktoren. Welche Interessen haben Kind und Mentor? Welche Stadtteile sind für den jeweils anderen erreich- bar? Gibt es Allergien, die berücksichtigt werden müssen? ,,Erst wenn das alles passt, informiere ich den Lehrer, die Eltern und den Mentor.“

Ein Sprung ins kalte Wasser

Trotz sorgfältiger Vorbereitung: für viele Mentoren fühlt sich der Startschuss an wie ein Sprung ins kalte Wasser. „Als das erste Treffen mit Henri bevorstand, war ich sehr aufgeregt“, erinnert sich Pierstorf. ,,Zwar hatte ich bei der Schulung und den gemeinsamen Balu-Treffen Tipps bekommen, die dabei helfen sollten das Eis zu brechen, aber ich hatte ja keine Ahnung wer mich erwarten würde.“ Nach einem Gesellschaftsspiel in der Schule, entschied er sich spontan für einen Besuch in der Eisdiele. Ein voller Erfolg und eine Tradition der zwei – bis heute.

„Für ihre Unternehmungen bekommen unsere Tandems im ersten Jahr 10 Euro Taschengeld im Monat. Wenn das Kind Geburtstag hat, gibt es noch mal fünf drauf“, sagt Kuse. Auch weil das geringe Budget vollständig aus Spenden finan- ziert wird, nehmen die meisten Mentoren die Herausforderung möglichst günstige Aktivitäten zu finden gerne an. Bei Museumsbesuchen, Schnitzeljagden und auf Spielplätzen lernen die Tandems ihre Stadt noch einmal ganz neu kennen.  Teure Ausflüge, wie einen Kino- oder Zoobesuch, müssen sie sich über Monate hinweg ersparen.

Mit einem begrenzten Budget zu haushalten ist aber nicht das einzige, was die Tandems im Laufe der Zeit lernen. So wird der Fortschritt beim Erreichen des selbstgesteckten Förderziels regelmäßig durch die Projektkoordinatorin überprüft. „Dafür führen die Mentoren ein Online-Tagebuch über ihre Treffen, das ich mit Feedback, Anregungen und Tipps versehe“, erläutert  Kuse. Erste Erfolge seien meist für alle Beteiligten recht schnell sicht- und spürbar.

Diese Erfahrung haben auch Frank Pierstorf und Henri Laue gemacht.

,,Durch Henri bin ich viel entspannter geworden. Er hat mir gezeigt, wie schön es sein kann, wenn man die Dinge einfach mal auf sich zukommen lässt“, sagt Pierstorf. Henri hingegen sei deutlich offener geworden – auch wenn es darum gehe schulische Probleme anzusprechen. ,,Ich spiele mittlerweile auch mit anderen Kindern auf dem Spielplatz“,  ergänzt Henri. „Und ich jage keine Tauben mehr. Denn das fand Frank immer blöd.

Mehr über das Projekt finden Sie unter: http://www.malteser-hamburg.de/dienste-und-leistungen/junge-leute/balu-und-du.html

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