Medikamente gegen die Demenz?
KOMPETENZ IN DEMENZ

Demenz ist eine Krankheit, keine Alterserscheinung

Demenz als Thema von wachsender gesellschaftlicher Relevanz hat in letzter Zeit auch im deutschen Büchermarkt Wurzeln geschlagen und dort bizarre Blüten getrieben.

Da ist einerseits die in der Pflegefalle gefangene Tochter, die ihre demenziell erkrankte Mutter verzweifelt fragt, wann sie endlich stürbe. Ohne die Belastung durch die Pflege eines demenzkranken Angehörigen klein schreiben oder negieren zu wollen: das darf nicht sein. Und vor allem: das muss nicht sein. Niemand muss heute allein der Herausforderung Demenz begegnen. Hilfs- und Unterstützungsangebote für betreuende Angehörige breiten sich nicht nur in den Städten, sondern auch in kleineren Gemeinden aus. Kommunale Träger, bürgerschaftliche Selbsthilfegruppen und bundesweite Verbände wie zum Beispiel die Malteser mit ihrem Besuchs- und Begleitdienst für demenziell Erkrankte bieten Entlastung. Das Telefon der Alzheimer-Gesellschaft ist die ganze Woche erreichbar und nennt Ansprechpartner in der Nähe. Dieser Rechercheaufwand ist wohl einer Journalistin – eine solche hat das Buch geschrieben – zuzumuten. Und dass sie nicht larmoyant ihr Schicksal beklagt, sondern ihm offensiv begegnet. Viel Wissen hilft viel, um mit einer Demenzerkrankung umgehen zu können.

Denn – und hier sind wir auf der anderen Seite – Demenz ist eine Krankheit. Keine normale Alterserscheinung als Folge alternder Gehirne von Menschen, die immer älter werden. Keine Strafe Gottes oder Folge der Veränderung der Gesellschaft, auch wenn ein emeritierter Theologie- und Soziologieprofessor (und durchaus engagierter Streiter um die Rechte Demenzkranker) mit dieser These durchs Land tourt. Schade, denn einige seiner Ansätze sind bedenkenswert: dass die Gesellschaft sich schwer tut, Menschen zu begegnen, die sich nicht normenkonform verhalten. Oder dass mit Quartieren, Netzwerken und verschiedenen Wohnformen versucht wird, den Zerfall des früher tragfähigen Familienzusammenhalts zu kompensieren. Darüber kann und muss man sicher reden. Denn die Demenz ist eine Krankheit mit allgemeingesellschaftlicher Verantwortung, und sie geht uns alle an.

Die im Artikel erwähnten Bücher sind:
Martina Rosenberg: Mutter, wann stirbst du endlich?
Reimer Gronemeyer: Das 4. Lebensalter  – Demenz ist keine Krankheit

Hier finden Sie die Informationen und Ratgeber der Malteser Fachstelle Demenz.

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