Demenzkranke einbeziehen statt ausgrenzen
KOMPETENZ IN DEMENZ

Einbeziehen statt ausgrenzen: Wie wohnen Demenzkranke morgen?

Der diesjährige Demografie-Kongress in Berlin am 20. und 21. September bot einen bunten Strauß an Vorträgen und Foren rund um das Thema Wohnen, Leben, Pflegen und Arbeiten im Alter. Vieles wie die sogenannte Demografiestrategie der Bundesregierung so allgemein, dass es sich ebenso gut im Naturschutz anwenden ließe, manches wiederum so speziell, dass es höchstens als Randaspekt taugt – z.B. das Projekt „Es war einmal … Märchen und Demenz“, das jetzt zwei Berliner Pflegeeinrichtungen umgesetzt werden soll.

Ein Trend zog sich aber quer durch den Kongress: das Leben im Quartier – jung und alt zusammen, bis zum Lebensende. So berichtete der Architekt der niederländischen Demenzeinrichtung Hogeweyk, dass er solch ein isoliertes Dorf nicht wieder bauen würde, weil der Austausch mit dem Rest der Bevölkerung fehle.

In Deutschland gibt es schon gelungene Beispiele für die Teilhabe demenziell Erkrankter am ganz normalen Leben wie z.B. die Arnsberger Lernwerkstatt für Demenz. Altersgerechte Quartiere brauchen allerdings in fußläufiger Entfernung – also im Umkreis von maximal 500 Metern – Einrichtungen für den täglichen Bedarf: Lebensmittelladen, Bäcker, Ärzte, Apotheke, aber auch eine Kirche und ein Bürgerbüro als Anlaufstelle. Das bedeutet eine Umkehrung des Trends, der zu dem stillen Sterben der Tante-Emma-Läden und Entstehen riesiger Supermarkt-Zentren auf der grünen Wiese geführt hat: ein Rückbau gewachsener Stadtviertel und Quartiere. Das ist eine kommunale Aufgabe, aber auch eine für die Kirchen in Zeiten des Priestermangels und der Bildung großer Pfarrverbände. Außerdem müssen wir alle umdenken: Warum sollen nicht demenziell erkrankte Menschen durchs Viertel laufen und irgendwo klingeln dürfen – wie die Kinder?

Tags  

Schreibe einen Kommentar

Malteser Logo

Not erkennen und Nähe geben: Ist das zu schaffen? 80.000 ehren- und hauptamtliche Malteser in Deutschland geben darauf die Antwort, indem sie anpacken. Wir schaffen das, weil wir es können – und weil wir glauben!