Der junge Friseur bei der Arbeit
MIGRATION

Ich bin kein Soldat, ich bin Friseur!

Hani al Kabak, 31, floh von Syrien nach Deutschland. Mithilfe der Malteser in Neu-Ulm konnte er ein neues Leben beginnen, ohne Gewalt und Terror. Hanis Träume klingen jedem vertraut: Er möchte in Frieden leben. Heiraten, Kinder, ein Haus. Er ist aufgewachsen in Bab Touma, einem historisch wichtigen christlichen Viertel. Hier soll Paulus sein Damaskuserlebnis widerfahren sein. Für die christlichen Syrer ist dieser Ort heilig. Als der Krieg kam, hat auch Hani, wie Millionen andere, das Land verlassen müssen.

Mit ein wenig Glück
Um Deutsch zu lernen, nahm Hani am ehrenamtlichen Sprachkurs in der Katholischen Pfarreiengemeinschaft Neu-Ulm teil.: „Wir waren eine kleine Gruppe und die Kursleiterin hatte immer Zeit für uns.“ Das Projekt „FaF- Fremde als Freunde“ der Malteser Neu-Ulm hilft Neuankömmlingen bei ihrem Start in Deutschland. Ehrenamtliche bieten eine individuelle Begleitung an. Besonders gefragt sind zurzeit die berufsqualifizierenden Maßnahmen, darunter Gabelstaplerkurse oder Pflegediensthelfer-Lehrgänge.

Als Hani eine Stelle bei einem Friseur bekommt, war das ein großes Erfolgserlebnis. Seine offene Art beschert ihm viele Sympathien. Wenn er jedoch über Syrien spricht, schwingen Bedauern und Trauer in seiner Stimme mit. „Unser Leben war wie hier in Deutschland. Wir sind Christen, essen auch Schweinefleisch und feiern gerne. Es gab bei uns keine strengen Regeln.“Auf dem Höhepunkt seiner Karriere stylte er Nachrichtensprecher und Moderatoren im Fernsehen. Er erfüllte er sich den Traum eines eigenen Salons und hatte Angestellte. Dann kam der Brief von der Regierung: „Die syrische Armee wollte mich zum Dienst einziehen.“ Seine Stimme gerät ins Stocken. „Die wollten, dass ich eine Waffe in die Hand nehme und auf Menschen schieße.“ Der Brief war Auslöser für Hanis Flucht. Gemeinsam mit seinem Vater verließ er seine Heimat in Richtung Deutschland.

„Niemand verlangt hier von mir, dass ich auf Menschen schieße“
„Mein Vater hat Schrapnellen im Körper. Die Reise war für ihn sehr mühsam. Aber was hilft es, zurückzublicken? Wer leben will, muss nach vorne schauen.“ Hani möchte noch etwas hinzufügen: „Ich mag Deutschland, auch wenn ich Syrien vermisse. Hier herrscht das Gesetz. Ich finde hier Respekt und Anerkennung. Aber das Beste hier ist die Meinungsfreiheit, vor allem die der Frauen.“ Seine Mutter und seine Schwester werden bald nachkommen. Dann werden sie wieder als Familie vereint sein.

„Religion ist kein Grund für Hass und Ausgrenzung“
Hani ist aramäischer Christ, Religion ist wichtig in seinem Leben, jedoch „nie der Grund für Hass und Ausgrenzung. Ich werde oft gefragt, warum ich nicht in Syrien geblieben bin und für mein Volk gekämpft habe.“ Hani schüttelt den Kopf. „Ich will einfach nicht Teil der Gewalt sein.“ Seine Kunden im Salon zeigen oft Interesse an Hani, stellen Fragen, helfen. Das rührt ihn. „Ich bin sehr dankbar für die Hilfsbereitschaft und die Freundlichkeit der Leute.“

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