Koffer für die letzte Reise
HOSPIZARBEIT UND PALLIATIVMEDIZIN

Ich packe meinen Koffer: Was am Ende bleibt

Eine bemerkenswerte Ausstellung zeigt das Museumsquartier Wien. Die Ausstellung “Ein Koffer für die letzte Reise – Einmal jenseits und zurück” lädt uns ein, uns mit der Endlichkeit des irdischen Daseins einmal anders auseinanderzusetzen.Die Schau zeigt, was Menschen, darunter viele Prominente aus dem Nachbarland Österreich, die man auch hierzulande kennt, auf ihren letzten Weg mitnehmen würden. Jeder Koffer ist höchst individuell gepackt, voller kleiner und großer Dinge, die den Besitzer etwas bedeuten. Persönlich gefasste Begleittexte erläutern die Gedanken und Gefühle zum Tod, die beim Packen in den Sinn gekommen sind.

So führt die Ausstellung laut Aussage  der Ausstellungsmacher „gedanklich an die Schwelle zum letzten Augenblick und wieder zurück ins Leben.“ Initiiert hat sie Fritz Roth, Bestattungsunternehmer und Trauerarbeiter, der sich mit Leidenschaft und Lebensfreude für einen offenen Umgang mit Tod und Trauer eingesetzt hat und auch seinen eigenen Tod im letzten Jahr nicht zum Tabu gemacht hat. Sein Fazit im Ausstellungskatalog:

„Ich bin sehr glücklich und einigermaßen überrascht, dass so viele Menschen bereit waren, sich mit dem Thema »Tod« auf diese Art auseinander zu setzen. Unsere Gesellschaft hat den Tod aus dem Leben verdrängt. Oft hat man den Eindruck, die Leute wollen sich nicht damit beschäftigen. Aber dieser Eindruck ist falsch. Ich bin fest davon überzeugt, dass man mit den richtigen Fragen, die Menschen zum Nachdenken bringen kann. Und ich bin ebenfalls fest davon überzeugt, dass die Menschen gerne und fantasievoll antworten, wenn jemand die richtigen Fragen stellt.“

Nachdenken über das Sterben als Anlass, sich im Leben zurechtzufinden – das ist uns aus der Malteser Hospizarbeit sehr vertraut. Im Angesicht des Todes kommen die wichtigen und richtigen Fragen (fast) immer auf. Auch wir Malteser verfolgen das Anliegen, mit der achtsamen Begleitung jedes einzelnen Schicksals und der Zuwendung zu denen, die sterben oder trauern, Sterben, Tod und Trauer vom Rand wieder in die Mitte der Gesellschaft zu holen. Nur hier, mitten unter uns, sind diese Themen richtig und gut aufgehoben.

Die Ausstellung leistet dazu einen anregenden Beitrag – und obendrein einen höchst kreativen: Denn wer möchte, kann selbst seinen Koffer für seine letzte Reise packen und auf den Ausstellungsseiten im Internet veröffentlichen. Ein Foto und ein kurzer Text mit Gedanken um Inhalt genügen, an die Ausstellungsmacher gemailt steht auch der eigene virtuelle Koffer kurze Zeit später im Internet. Lust bekommen? Der  Online-Gepäckschalter hat rund um die Uhr geöffnet.

Die Ausstellung im Museumsquartier Wien ist vom 29.3. bis zum 26.4. zu sehen
Bild: www.teamperspektiven.at/letztereise

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