Die Malteser integrieren Flüchtlinge
MIGRATION

Integration als Aufgabe: Wie sich die Flüchtlingshilfe wandelt

Als die Flüchtlingszahlen ab Sommer 2015 stiegen, waren die Malteser zur Stelle. Statt Notunterkünften und Sofortlösungen sind jetzt langfristige Konzepte zur Integration gefragt. Auch darauf geben die Malteser Antwort.

Als der letzte Gast die Tür hinter sich geschlossen hatte, ging alles ganz schnell: Innerhalb kurzer Zeit wurden in der Notunterkunft Celle-Scheuen Wohnhütten eingelagert, Sanitär- und Waschcontainer abgebaut und alle Erdkabel und Rohrleitungen entfernt. Wo zuvor 1.300 Menschen gelebt hatten, ist heute wieder eine grüne Wiese. Kein Einzelfall: Eineinhalb Jahre nach dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise ist nicht mehr der rasche Aufbau, sondern der geregelte Abbau von Notunterkünften an der Tagesordnung. „Auch wenn immer noch Zehntausende Menschen vor Krieg und Verfolgung fliehen, sind die Flüchtlingszahlen in Deutschland seit Frühjahr 2016 stark rückläufig“, berichtet Markus Bensmann, Leiter der Fachstelle Flüchtlingshilfe im Malteser Hilfsdienst. Ob Sporthalle, Kaserne oder Containerdorf – zu Spitzenzeiten sorgten rund 3.000 Ehrenamtliche und 2.600 Mitarbeiter der Malteser in 160 Notunterkünften für eine  menschenwürdige Aufnahme. Erstaufnahmeeinrichtungen der Länder und kommunale Gemeinschaftsunterkünfte betreiben die Malteser auch weiterhin. Aber der Schwerpunkt der Flüchtlingshilfe hat sich verschoben.

Die große Herausforderung lautet nun: Integration. „Fast 1,2 Millionen Menschen haben 2015 und 2016 Asyl in Deutschland beantragt“, verdeutlicht Sebastian Schilgen, Geschäftsführer der Malteser Werke, die seit 1989 über eine Million Spätaussiedler und Asylbewerber beim Neuanfang in Deutschland begleitet haben. „Integration ist seit Langem ein Schwerpunkt unserer Arbeit. Dazu bedarf es mehr, als die Menschen zu versorgen und ihren Tag zu strukturieren. Wie wir hier leben und denken, ist den meisten zunächst nicht vertraut.“ Alltag, Werte und kulturelle  Fallstricke müssen sie im täglichen Miteinander erst kennenlernen. Sonst sei eine gleichberechtigte Teilhabe schwer möglich.

SPRACHE, WERTE, ARBEIT
Der erste Schritt hin zur einer gelungenen Integration ist das Erlernen der deutschen Sprache. In ihren Gemeinschaftsunterkünften bieten die Malteser regelmäßigen Deutschunterricht – und zwar vom ersten Tag an und für alle Flüchtlinge ab 14 Jahren. Unterrichte werden sie von professionellen Lehrern; vertieft wird das Gelernte im Kontakt mit vielen ehrenamtlichen Helfern. Auch die Wertevermittlung haben die Malteser im Blick. Wie verhält man sich in der Öffentlichkeit? Wie sieht das Zusammenleben in Deutschland aus? Als einer von drei Kooperationspartnern des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge boten Malteser Einrichtungen in 13 Bundesländern einheitlich Kurse zur Erstorientierung und Wertevermittlung auch bei unklarer Bleibeperspektive an. Mit der Bundesagentur für Arbeit starteten die Malteser ein Pilotprojekt zum beruflichen Screening: Mittlerweile werden in allen Landesunterkünften der Malteser die Qualifikationen und Berufswünsche aller Bewohner ab 16 Jahren erhoben und den Arbeitsagenturen sowie potenziellen Arbeitgebern zugänglich gemacht.

INTEGRATION GEHT ALLE AN
Die Starthilfe in der Erstaufnahmeeinrichtung ist das eine. „Aber gerade diejenigen, die Bleiberecht erhalten, dürfen wir nicht allein lassen“, betont Markus Bensmann. Wie aber lässt sich eine persönliche Begleitung bis in die Kommunen umsetzen? Die Lösung, die die Malteser anbieten, entspricht ihrem Selbstverständnis. „Mit den Integrationslotsen greifen wir zurück auf unsere Erfahrungen und unsere Stärke als Ehrenamtsorganisation“, so Bensmann. Die Idee dahinter: Ehrenamtliche übernehmen Partnerschaften für Flüchtlinge, schaffen wichtige soziale Kontakte und geben Hilfestellungen im Alltag. „Integration ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Sie kann man nicht verordnen oder einfach delegieren“, wirbt Dr. Elmar Pankau vom Geschäftsführenden Vorstand des
Malteser Hilfsdienstes für den Ansatz. „Das ehrenamtliche Engagement vieler wirkt tiefer und nachhaltiger in die Gesellschaft hinein, als hauptamtliche Angebote es könnten.“ Das Konzept hat auch die Bundesregierung überzeugt. Sie fördert den Aufbau von bundesweit 105 Diensten mit jeweils einem hauptamtlichen Koordinator und bis zu 50 ehrenamtlichen Integrationslotsen. Über 2.700 Lotsen wurden bereits ausgebildet und leisten ihren ganz praktischen Beitrag zur Integration.

Migration und Integration bleiben auf lange Sicht entscheidende gesellschaftliche Aufgaben. Mittlerweile koordiniert eine zentrale Fachstelle die vielfältigen Aktivitäten der Malteser. Um auch weiterhin tatkräftig helfen zu können, haben die Malteser ungeplante Überschüsse aus der Tätigkeit in der Flüchtlingshilfe in eine neu gegründete Stiftung eingebracht. „So ist gewährleistet, dass die in dieser Ausnahmesituation bereitgestellten öffentlichen Mittel in den kommenden Jahren zweckgebunden für die Betreuung von Flüchtlingen und anderen Menschen in Not sowie im Katastrophenschutz eingesetzt werden“, so Pankau.

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