Wie Menschen mit Demenz das Krankenhaus erleben
KOMPETENZ IN DEMENZ

Menschen mit Demenz im Krankenhaus: Mehr Durchblick bitte!

Ein klassischer Krankenhausvormittag: Sie liegen dösend im Bett. Nach Wecken und Waschen um sechs, Blutdruckmessen, Frühstück, wirbelndem Wischmopp und vielköpfiger Visite in Fachchinesisch über Ihren Kopf hinweg sind Sie gelinde erschöpft und wollen eigentlich nur Ihre Ruhe.

Plötzlich steht jemand im Zimmer und murmelt etwas von „Röntgen“ oder „Röhre“, vielleicht auch CT, MRT oder PET. Vielleicht ist es die freundliche Stationsschwester, mit der Sie gestern noch ein kleines Schwätzchen gehalten haben. Es könnte aber auch jemand vom Hol- und Bringedienst sein, den Sie noch nie gesehen haben. Sie wissen also nichts Genaues, gehen aber gehorsam mit.

Nach einigen Aufzugfahrten und einem gefühlten Halbmarathon wird Ihnen bedeutet, vor einer bestimmten Tür zu warten; Sie würden dann aufgerufen. Wann dieses „dann“ sein wird, sagt niemand, eine Uhr gibt es nicht. Minuten vergehen, eine Viertelstunde, eine halbe – Sie verlieren das Zeitgefühl. Türen gehen auf und zu, Krankenhausmitarbeiter eilen vorbei. Nur mit Ihnen spricht keiner. Und Sie trauen sich auch nicht, jemanden anzusprechen. Etwas zu lesen haben Sie nicht dabei – es musste ja schnell gehen. Also zählen Sie die Noppen im Krankenhausboden. Oder versuchen, das gegenüber hängende abstrakte Bild zu interpretieren. Oder Sie schließen die Augen, um das unterbrochene Vormittagsschläfchen nachzuholen, und schrecken hoch, wenn tatsächlich irgendwann Ihr Name aufgerufen wird.

Gleiche Situation, nur hat der Patient nun die Nebendiagnose Demenz. Nach dem oben beschriebenen Vormittagsprogramm ist er nicht nur erschöpft, sondern total durcheinander. Selbst wenn die Schwester von gestern ihn bringt, wird er sie nicht erkennen – sein Kurzzeitgedächtnis ist sehr schlecht. Bis er die Röntgenabteilung erreicht hat, weiß er nicht einmal mehr, dass er im Krankenhaus ist. Warum und worauf er warten soll, hat ihm niemand verständlich erklärt. Also steht er auf und geht. Verständlich, oder?

Was beim „Normalpatienten“ noch geht (wenngleich auch nicht immer angehen mag!), geht bei Patienten mit Demenz garantiert schief. Wer einen Menschen mit Demenz verstehen will, muss sich in ihn hineindenken. Gerade auch als Krankenhausmitarbeiter. Dabei helfen die Tipps im  „Malteser Tagesbegleiter auf Station„. Und ein bisschen Humor.

Film ab!

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