KOMPETENZ IN DEMENZ

Lieber früher tot als länger (demenz-)krank?

53 Prozent der Deutschen möchten lieber früher sterben als mit Alzheimer oder einer anderen Demenzerkrankung weiterzuleben. Das ergab eine repräsentative Studie der GfK, durchgeführt im Auftrag der Deutschen Krankenversicherung (DKV).  Nur ein Viertel der Bundesbürger will auch mit Alzheimer länger leben.

Diese Haltung scheint symptomatisch für unsere Gesellschaft: Das Leben wird zunehmend dann als lebenswert empfunden, wenn man gesund, schön, schlank, reich und erfolgreich ist. Nur, wer ist das schon?

Wir müssen weg von dem Wahn, dass nur ein in jeder Beziehung optimiertes Leben sich lohnt. Runter von dem „Schneller-Höher-Weiter“-Trip. Schluss mit der 24/7-Verfügbarkeit für den Arbeitgeber. Damit wäre nicht nur der neuen Volkskrankheit Burn-out viel Nährboden entzogen; auch die Alterskrankheit Alzheimer wäre  dann leichter zu tragen, wenn sie einen nahen Angehörigen trifft oder uns selber.

Ein entschleunigtes Leben und eine Besinnung auf das, was am Ende wirklich zählt erleichtern den Umgang mit der Demenz. Nur so kann es gelingen, sich in den demenziell Erkrankten hineinzuversetzen, die Krankheit aus seiner Sicht zu begreifen und schwierige Situationen zu meistern.

Die Kosten der Verdrängung

Die DKV-Studie zeigt außerdem: Je älter die Befragten, desto größer ist die Angst! Offenbar ziehen wir es vor, die Krankheit Demenz zu verdrängen, wobei allerdings diese Strategie  in zunehmendem Alter immer schlechter funkioniert. Statt uns sehenden Auges damit auseinanderzusetzen, was eine Demenzerkrankung für die Betroffenen und deren Nächste bedeutet, kultivieren wir das Schreckgespenst Demenz.

So kommt nicht in den Blick, dass auch Demenzkranke und die sie betreuenden Menschen Zuneigung und Zufriedenheit erfahren können und im besten Fall auf der meist unversehrten emotionalen Ebene eine neue Beziehung zwischen dem Kranken und dem Pflegenden entstehen kann. Davon geht die Krankheit nicht weg. Aber sie wird tragbar. Und das Leben bleibt lebenswert.

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Comment

  • Guten Tag!
    Ich möchte bitte wiesen, wieso mein Vater Demenzpatient [NAME DER EINRICHUTNG VON RED. GELÖSCHT] keine näheren Verwandtenbesuche erhalten darf. Es sollte doch für einen Demenzpatienten die nähere Umgebung erhalten bleiben, da es zu einem besseren Gesundheitszustand dient. Es gibt seit Wochen tagtäglich Kämpfe mit der Schwesternbelegschaft die nach meiner Ankunft nach 5 Minuten meinen.“die Besuchzeit ist um,“ wieso kann so eine fahrlässige Vorgangsweise akzeptiert werden? Ich habe alle möglichen Adressen ausgeschöpft, jedoch immer nur abweisende Antworten erhalten. Ich als Tochter kenne meinen Vater doch am Besten und weiß, daß er sich bei jeden Besuch sehr freut und sein Geist schön langsam besser wird. Er ist amerikaorientiert mit Demenzpatienten, die ihm unter Anleitung weitergeben, wie er sich zu verhalten hätte. z.B.Klavierspielen am Tisch, leicht Klopfen, Mitsingen und auf ihn eingehen.
    Ich hatte vor Jahren bei der [NAME DER FIRMA VON RED. GELÖSCHT] gearbeitet und mich mit diesem Problem via Amerika und Frankeich beschäftigt. Es kann doch eine gewisse bestehende Demenz nicht nur anhand Medikamente, sondern auch durch örtliches, gesundes Verhalten mit dem Menschen umgegangen werden und nicht mit einem Besuchsverbot das Gegenteilige zu erwirken. Ich habe jetzt Angst um seinen Zustand und muß mir diese Gratisangriffe gefallen lassen. Wenn die Möglichkeit besteht, möchte ich für meinen Vater Schadensersatz klagen, da es sehr unverantwortlich ist.
    Sind in [ORT VON RED. GELÖSCHT] keine richtigen Demenzorganisationen? Wenn nicht, dann möchte ich eine gründen.
    Danke
    HUYGHE Eveline

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