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Menschen mögen und Moneten: Ganzheitliche Umsorgt mit ehrenamtlichen Diensten

Immer mehr alte Menschen leben sozial isoliert und benötigen Unterstützung im Alltag. Plaudern, Feiern, Putzen, Vorlesen oder Einkaufen – früher gab es dafür die Nachbarschaft. Heute bedarf es dazu häufig organisierter Hilfen und Helfer wie die Malteser, die sich um die Menschen kümmern und Nähe geben.

Der Blick auf den ganzen Menschen wird in der sozialen Betreuung bedürftiger Menschen gern beschworen. Wie es ganz praktisch gelingen kann, Körper, Geist und Seele des Menschen gleichermaßen zu umsorgen, zeigt das Beispiel der Malteser in Kempten. Ein Patentrezept gebe es zwar nicht, sagt Johann Lory, der die dortige Malteser Dienststelle leitet, wohl aber eine unbedingte Grundvoraussetzung: „Es braucht vor allem die vier „M“: Man muss Menschen mögen!“

In Kempten sind permanent 36 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in verschiedenen Diensten eingesetzt, um Menschen die Teilhabe im Alltag leichter oder überhaupt erst möglich zu machen. Im ehrenamtlichen Besuchs- und Begleitungsdienst betreuen die Malteser ständig mindestens zehn Senioren im häuslichen Umfeld. Der mobile Einkaufsdienst der Malteser bringt regelmäßig 33 hochbetagte und körperlich eingeschränkte alte Menschen zum Supermarkt, hilft beim Auswählen, Tragen und Abrechnen und bringt sie sicher wieder nach Hause. Ohne diesen Service wären die Discounter am Stadtrand gar nicht mehr zu erreichen.

Für besonders bedürftige Senioren organisieren die Malteser auch Lebensmittelpatenschaften: Wer Wohngeld bezieht oder mit seiner Rente unterhalb der Grundsicherung liegt, bekommt – je nach Bedarf – Lebensmittelpakete, die von den Paten der Aktion finanziert werden.

Jeden Tag gehen fünf bis acht Hilfsanfragen bei den Kemptener Maltesern ein. Weil man hier den Blick auf den ganzen Menschen richtet, nicht nur auf seine körperlichen Bedürfnisse, entgeht dem Team nicht, wenn ein Hausnotruf-Kunde einsam oder bedürftig ist. Geschickt wird dann der Besuchsdienst oder die Mahlzeitenpatenschaft eingesetzt und obendrein zum Senioren-Café eingeladen. Hier treffen sich einmal im Monat Senioren zum Kaffee in der Dienststelle. Darunter sind Kunden der Malteser, aber auch solche, die keine direkte Hilfe, wohl aber Gesellschaft suchen.

Wie in Kempten bieten die Malteser fast überall in Deutschland Alltagshilfen an für Ältere und für andere im sozialen Abseits. Wenn es nicht zynisch klänge, müsste man sagen: Die Zukunftsaussichten für diese Hilfsangebote sind rosig, weil wie sie morgen wohl noch dringlicher brauchen werden als die bereits heute der Fall ist.

Die gesamte Palette der benötigten Leistungen anzubieten schafft keine Organisation alleine. Wenn es um die Alten geht, kann niemand mehr Solo auf dem Hochseil tanzen. Konzertierte und gut koordinierte haupt- und ehrenamtliche Leistungen sind gefragt, damit das Alter auch unter schwierigen Bedingungen gelingt. Die Kemptener Malteser unterhalten dazu ein weit verzweigtes Netzwerk, pflegen den engen Kontakt mit anderen Hilfsorganisationen und Dienstleistern, mit dem Sozialamt und der Stadt, mit ambulanten Pflegediensten und Ärzten. Auch die Koordinationsstelle für bürgerschaftliches Engagement ist dabei, genauso wie vom Familiengericht bestellte Betreuer und Apotheker.

Zum Netzwerk zählen nicht zuletzt die eigenen Helfer und Förderer. Auch wenn die meisten dieser Dienste auf ehrenamtlicher Basis erbracht werden, kosten sie dennoch Geld, schließlich müssen sie kompetent koordiniert und finanziell abgesichert werden. Dazu dienen vor allem Spenden und Fördermitgliedsbeiträge. In dieser Hinsicht braucht auch der bestorganisierte unentgeltliche Dienst am Nächsten immer auch das fünfte „M“ – „Moneten“.

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