SICH ENGAGIEREN

Millie grazie. Umsonst sollt ihr geben

Markus Peters stellt in seinem Blogbeitrag „Mindestlohn oder Gotteslohn“ die These auf, ob eine Monetarisierung des Ehrenamts dieses letztlich nicht entwerte. Das klingt paradox, trifft aber den Kern.

Ehrenamtliche Tätigkeit könnte man definieren als: entgeltlose Tätigkeit zum Wohl der Allgemeinheit. Entscheidend ist die Haltung. Ich gebe Zeit und Mühe für eine gute Sache. Ich erkenne dadurch letztlich an, dass ich Grund habe, zu geben – weil ich auch schon Empfänger gewesen bin. So kann ich geben, ohne Lohn zu erwarten. Oft geschieht es, dass ich im Rückblick feststelle, dass auch ich durch meinen Einsatz „gewonnen“ habe.

Wenn jemand etwas „für Gotteslohn“ tut, meint man damit auch, dass er dafür kein Geld verlangt. Das ist freilich nur die halbe Wahrheit: Gotteslohn besagt ja, dass ich dafür von Gott belohnt werde, im Diesseits oder im Jenseits. Auch dies zeigt eine innere Haltung: die des Vertrauens. Ich vertraue darauf, dass der Einsatz unabhängig von materiellem Gewinn sinnvoll ist – letztlich auch für mich. Was ich umsonst tue, ist nicht vergeblich, weder für mich noch für den Anderen. Und der, dem mein Einsatz zugutekommt, braucht dabei kein schlechtes Gewissen zu haben.

Was ich umsonst tue, tue ich „gratis“. Das Wort meint kostenfrei, darin enthalten ist das lateinische Wort gratia, Gnade. Ich gebe aus Gnade, aber auch, weil ich Gnade empfangen habe. Ich kann schenken, weil ich beschenkt worden bin. Die biblische Tradition spricht von einem Gott, der sich selbst bedingungslos schenkt. Beispielhaft deutlich wird dies im Ausspruch Jesu: „Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben“ (Mt 10,8). So sendet er seine Jünger in die Städte, um Kranke zu heilen und das Evangelium zu verkünden.

Ehrenamtliche bei den Maltesern folgen diesem Beispiel: Sie geben gratis, was sie als Geschenk empfangen haben und schauen dabei nicht auf materiellen Profit. Sie erfüllen sehr viele verschiedene Dienste – vor allem aber stellen sie sich selbst zur Verfügung. Dieses Geschenk, das sie der Gesellschaft damit machen, trägt kein Preisschild und ist ebenso wenig durch Geld aufzuwiegen wie ein Freundschaftsdienst.

Deshalb wäre es gefährlich, das Ehrenamt (und sei es nur begrifflich) mit finanziellem Lohn in Verbindung zu bringen. Eine Monetarisierung würde – paradoxerweise – nicht zur Aufwertung des Ehrenamts beitragen, sondern zu seiner Verbilligung. Denn was in Geld auszahlbar ist, ist austauschbar. Stattdessen gälte es, bei jeder Gelegenheit darauf hinzuweisen, wie sehr unsere Gesellschaft jeden Tag von Menschen lebt, die bereit sind, um Gotteslohn der Allgemeinheit zu dienen.

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