HOSPIZARBEIT UND PALLIATIVMEDIZIN

Nach der ARD-Themenwoche: Das Leben geht weiter. Sterben, Tod und Trauer gehören dazu!

„SIE WERDEN STERBEN – lassen Sie uns darüber reden“.  So warb die ARD-Themenwoche um Aufmerksamkeit. Ja, es ist geredet worden in dieser Woche, mehr als sonst. Menschliche Schicksale kamen in einfühlsamen Reportagen zu Wort und ins Bild. Diskussionsrunden über den Umgang mit einer todbringenden Erkrankung, über den assistierten ärztlichen Suizid, Jenseitsvorstellungen und -hoffnungen ergaben einen bunten Strauss. Manches war aufregend, manches berührend. Und jetzt?

„17,98 Euro für die Erkenntnis, dass wir alle sterben“ resümiert Christian Stöcker auf Spiegel Online. Sein Fazit: „Lass uns leben, ARD!“ ist menschlich verständlich und gesellschaftlich mehrheitsfähig, aber leider auch eine weitere Spielart des „Lass mich in Ruhe“. Der Tod bleibt bitteschön außen vor. „Der Tod gehört nicht zum Leben, der Tod ist der Feind des Lebens“, sagt der von Devid Striesow verkörperte Architekt in dem während der Themenwoche ausgestrahlten Fernsehfilm „Blaubeerblau“. Aber er sagt dies, bevor er sich auf das Hospiz, das er umbauen soll, einlässt und eine Erfahrung macht, die sein Leben verändert und bereichert.

Auch diese Erfahrung ist real. Sie wird geteilt von vielen Menschen, die persönlich mit dem Sterben und mit der Trauer in Berührung gekommen sind. Sie müssen und wollen „irgendwohin“ mit ihren Gedanken und Gefühlen. Auch deshalb haben sich während der ARD-Themenwoche in ganz Deutschland Menschen eine der zahlreichen Informationsveranstaltungen der Malteser besucht oder sich direkt nach der Malteser Hospiz-, Palliativ- und Trauerarbeit erkundigt. Sie wollen mitmachen, damit sterbende Menschen und ihre Familie sich nicht allein gelassen fühlen. Sie wollten erzählen, wie es war, als der geliebte Mensch verstarb und wie schwer es ist, ohne ihn weiterzuleben. Sie wollten sich informieren, was es gibt, an dem Ort an dem ich lebe und vermutlich auch sterben werde.

Wir müssen darüber reden, auch über das, was uns fremd ist, weil wir ein anderes Verständnis von Leben und von Hoffnung angesichts des Todes haben. Wir müssen reden, denn nur wenn wir die Ängste ernst nehmen, können wir einander beistehen. Solidarisch sein, ohne dem anderen die Verantwortung für sein eigenes Leben abzunehmen, führt an die eigenen Grenzen und fragt nach der eigenen Hoffnung, aus der heraus ich lebe.

Vielleicht ist eine Themenwoche zuviel des Guten und auch mehr als wir uns zumuten möchten. Aber die Filme und Reportagen dokumentierten eindrücklich, wie viel Leben unter der Diagnose einer schweren Erkrankung möglich ist, wie es sich verdichtet, neue, andere Dinge wichtig werden; sie haben auch gezeigt, wie leidvoll, hoffnungslos, verzweifelt eine schwere Krankheit machen kann. Wer zu viele Antworten erwartete und hoffte, dass Hospizarbeit und Palliativmedizin auf alle Fragen im Grenzbereich des Lebens, Sterbens und Trauerns eine Antwort wüssten, ist vielleicht enttäusch. Wer sich herausgefordert sieht, Sterben, Tod und Trauer bei vielen ungeklärten Fragen als Anfrage für das eigene Leben zu verstehen, der dürfte sich ermutigt fühlen.

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