SICH ENGAGIEREN

Ost und West engagieren sich – aber anders!

Was bringt die Menschen in Deutschland dazu, sich zu engagieren? Dieser Frage ist eine Studie der Universitäten Hildesheim und Jena nachgegangen. Dabei wurden 120 Personen in drei Städten in Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen seit 2001 immer wieder von den Forschern befragt, um so mögliche Unterschiede im Ausmaß und bei den Rahmenbedingungen des ehrenamtlichen Engagements festzustellen.

Dieser sehr punktuelle Blick auf das Engagement bringt interessante Erkenntnisse: Zwei völlig gegensätzliche Orientierungen scheinen prägend ausschlaggebend dafür zu sein, ob man sich bürgerschaftlich engagiert. Während im Osten des Landes eine stärkere „Praxis-Orientierung“ zu finden ist, wird im Westen eher eine „Positions-Orientierung“ quer durch die Einsatzfelder festgestellt. Mit anderen Worten: Das Engagement im Osten Deutschlands ist stärker getragen von einer Haltung des „Einfach mitmachen“ – dort wo es notwendig ist, wird geholfen, mit klaren Ergebnissen und unmittelbare Erfolgen. Die Engagierten im Westen hingegen nehmen für ihren Einsatz eher eine reflektierte Haltung ein und beziehen damit Stellung. Man überlegt genau, wofür man sich einsetzt, welche Position man einnimmt und ausfüllen will.

Und noch zwei Merkmale lassen sich unterscheiden: Die Menschen im Osten sind meist skeptischer gegenüber einem Ehrenamt in einer großen Organisation und setzten daher eher auf ein lokal getragenes Engagement. Außerdem legen die Ergebnisse der Studie nahe, dass sich Eltern in den untersuchten ostdeutschen Städten stärker als ihre Pendants im Westen für die Schwierigkeiten von Jugendlichen interessieren und sich daher auch stärker für deren Belange einsetzen.

Auch wenn diese Befunde nicht auf jede Situation übertragbar sind, sind sie doch sehr aufschlussreich. Beide gedanklichen Zugänge sind gleichermaßen interessant, nachvollziehbar und von Organisationen wie den Maltesern, die vom Ehrenamt getragen sind, bei der Ansprache neuer ehrenamtlich Engagierter zu berücksichtigen. Tatsächlich müssen sich die angestrebten oder ausgeübten ehrenamtlichen Tätigkeiten gar nicht unterscheiden und doch könnten die Broschüren oder Texte einer Homepage unterschiedlich sein und diesen persönlichen Orientierungen Rechnung tragen.

Voraussetzung dabei ist, dass dies passgenau zur jeweiligen Tätigkeit erfolgt und nicht der Versuch unternommen wird, eine Werbestrategie überzustülpen, die nicht mehr Engagement sondern zu Enttäuschungen führt. Denn zu guter Letzt lebt das ehrenamtliche Engagement vor allen Dingen von Motivation, Glaubwürdigkeit und zuverlässigem Handeln vieler. Dazu müssen die Menschen, gleich ob West oder Ost, bei der Ausübung ihres Ehrenamts vorfinden, was sie persönlich dort zu finden erhoffen.

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