FSJ und BFD bei den Maltesern
SICH ENGAGIEREN

Abi 2018 – und was kommt dann?

Ein Gap-Year sinnvoll füllen und Pluspunkte für den Lebenslauf sammeln

Text: Sabine Ulonska, Leiterin Referat Freiwilligendienste

Das Abitur ist in vielen Bundesländern im vollen Gange, sei es mit Prüfungen oder schon in der Vorbereitung glanzvoller Abschlussfeiern. Mit dem Ende der Schulzeit aber bekommen zu treffende Entscheidungen eine besondere Tragweite: nun gilt es, Weichen zu stellen für den künftigen Lebensweg. Das scheint heute ungleich schwerer als in früheren Generationen, bietet sich doch eine unüberschaubare Vielzahl an Ausbildungs- und Studiengängen. Die Absolventen haben nach dem Schulabschluss tatsächlich eine Wahl, wohin die berufliche Lebensreise gehen soll – und damit auch die Qual der möglichst richtigen Entscheidung. Viele fühlen sich von diesem Angebot und der damit verbundenen Verantwortung schlichtweg überfordert, zumal sie während einer Schulzeit im G8-Format kaum Zeit hatten, sich über Berufswünsche und Ausbildungsoptionen Gedanken zu machen. „Mit hängender Zunge“ erreichen viele das Ende ihrer Schulzeit, um dann eine Entscheidung zu treffen, die ihr ganzes weiteres Leben beeinflusst. Ein bisschen viel verlangt! – Hier ist „Entschleunigung“ wahrlich sinnvoller als übereilte Festlegungen.

Aus diesem Grund ist der Begriff des „Gap-Years“ heute in aller Munde: Statt nach der Schule hastig den nächsten Lebensabschnitt mit Studium oder Ausbildung anzugehen, nehmen sich viele ein Jahr Zeit, um sich darüber klar zu werden, wo es beruflich überhaupt hingehen soll. Mit Blick auf das spätere Arbeitsleben gilt es dabei durchaus, dieses Jahr sinnvoll zu füllen – ein Jahr lang „just for fun“ in der Weltgeschichte herumzureisen oder zuhause zu „chillen“ macht sich im späteren Lebenslauf weniger gut als ein soziales Engagement, bei dem man sich einmal aus der eigenen Komfortzone herausgewagt hat. Ein Freiwilligendienst – als Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) oder als Bundesfreiwilligendienst (BFD) dagegen ist eine optimale Übergangsoption für die Zeit zwischen Schule und angehendem Berufsleben.

Ein Freiwilligendienst vermittelt erste Erfahrungen, wie es im Berufsleben zugeht – nachhaltig, nicht nur für wenige Wochen wie ein Schülerpraktikum, bei dem man oft noch nicht richtig ernst genommen wird. Freiwillige im FSJ oder BFD sind zwar „nur“ unterstützende Hilfskräfte, sie sind aber doch Teil des Teams und müssen sich mit ungewohnten Anforderungen, einem Kollegenkreis, dem Dienstplan und allen Realitäten der Arbeitswelt auseinandersetzen. Hier wird nicht nur fürs, sondern am Leben gelernt und dabei Kompetenzen erworben, die für jeden Beruf als Schlüsselqualifikationen gelten. Insofern ist ein Freiwilligendienst nicht nur etwas für diejenigen, die den sozialen oder medizinischen Bereich als mögliches Berufsfeld ausprobieren wollen, sondern für alle, die nach der Schule einfach mal was sinnvolles Praktisches tun möchten.

Auszeiten um zu Entdecken wohin die Reise gehen soll

Unterstützt und gesteuert wird dieser Lernprozess durch die gesetzlich vorgeschriebene pädagogische Begleitung in 25 Bildungstagen und der individuellen Betreuung durch pädagogische Fachkräfte. Damit ist ein Freiwilligendienst zwar ein Lernfeld mit „Ernstcharakter“ aber doch mit aufgespanntem Sicherheitsnetz. Die 25 Bildungstage in Form von fünf über das Jahr verteilten Seminarwochen sind dabei wichtige Auszeiten, in der sich eine feste Gruppe trifft, um sich über ihre Erfahrungen auszutauschen, sich gegenseitig zu unterstützen und sich mit spannenden selbstgewählten Themen zu beschäftigen. Hier spielen die Fragen „Was sind meine Stärken und Interessen? Wo will ich im Leben hin?“ eine wichtige Rolle, sowohl in der pädagogischen Arbeit, als auch im informellen Austausch mit den gleichaltrigen Freiwilligenkollegen. In diesem Raum können berufliche Perspektiven wachsen und Entschlüsse reifen. Zudem lässt ein ganzes Jahr des Freiwilligendienstes genügend Zeit, Informationen über Studien- und Ausbildungsangebote einzuholen.

Fazit: Aus einem Freiwilligendienst geht man anders heraus, als man hineingegangen ist: Aus ehemaligen Schülern werden junge Erwachsene, die verantwortliche Entscheidungen für ihr Leben treffen. Die Bewältigung eines Dienstalltags im sozialen Bereich, der unmittelbare Kontakt mit hilfsbedürftigen Menschen lässt die Freiwilligen wachsen und verleiht ihnen Stärke, künftige Bewerbungs- und Berufssituation selbstbewusst zu meistern.

Das wissen auch Personalentscheider, die einen Freiwilligendienst im Lebenslauf als deutliches „Plus“ verbuchen und denen es in der Regel völlig egal ist, ob ein Bewerber nach dem Studium 23 oder 24 Jahre alt ist. Wichtig ist die Erfahrung, die jemand mitbringt und was man sich schon getraut hat im Leben. Der Zeitfaktor – möglichst schnell nach der Schule mit Ausbildung oder Studium zu starten –  sollte daher nicht die einzige Prämisse sein für die Frage, wie es nach der Schule weitergeht.  Eine übereilte Festlegung für eine Fachrichtung, die sich später als Fehlentscheidung herausstellt, dürfte da die deutlich schlechtere Option sein…

Informationen und Einblicke in die Angebote der Malteser Freiwilligendienste gibt es unter:

www.malteser-freiwilligendienste.de

www.facebook.com/MalteserFreiwilligendienste

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