Balance hilft zu mehr Resilienz
ALLGEMEIN, CORONA

Das magische Viereck für mehr Resilienz

Corona bestimmt unseren Alltag. Wie können wir unsere Widerstandsfähigkeit stärken, um mit den Veränderungen gut umgehen zu können? Eine gute Balance von Bewegung, Beziehungen und Sinn stärkt die Resilienz.

Von Matthias Gradinger (Malteser Akademie).

Ungewohnte Bedingungen sind das, unter denen wir gerade leben und arbeiten. Kein Wunder, dass wir uns nach Sicherheit und Stabilität sehnen – oder zumindest nach mehr Widerstandsfähigkeit, um mit der Situation besser umgehen zu können. Leider gibt es keine Bauanleitung für Krisen-Protektoren oder eine Schutzweste, die man aus dem Schrank holen könnte. Der Weg zu mehr Resilienz führt ins eigene Nachspüren und Reflektieren – und über die Bereitschaft, neue Blickwinkel einzunehmen und neue Verhaltensweisen auszuprobieren.

Alles hängt mit allem zusammen

Vier Felder sind es, die gut gepflegt und in Balance sein sollten:

  1. Körper und Gesundheit
  2. Beziehungen zu Menschen in der Nähe (Familienangehörige, Partnerinnen und Partnern, Kolleginnen und Kollegen)
  3. Wirksamkeit und Nutzen meines Tuns
  4. Sinn und Geist

Die vier Felder stehen in Wechselbeziehung, manchmal offensichtlich, manchmal auch verdeckt. So kann es sein, dass ich im Kontakt ungeduldig oder „schwierig“ werde, weil mir zur Zeit der körperliche Ausgleich über meinen gewohnten Sport oder den Weg mit dem Fahrrad zur Arbeit fehlt. Oder ich bin dünnhäutig und schnell genervt von Kolleginnen und Kollegen, weil im Betrieb komplett auf die Corona-Regeln umgestellt wurde und meine bisherige Arbeit derzeit gar nicht „gefragt“ ist. Auch die viel zitierte „Ruhe vor dem Sturm“ ist bei genauem Hinsehen in vielen Fällen ein Zustand des Wartens, eine betriebsame Langeweile in Verbindung mit der berechtigten Angst davor, was da wohl kommen mag. Mit dieser Unsicherheit geht jeder Mensch auf seine eigene Weise um, und mit diesen vielleicht nur feinen Unterschieden kann man sich prima auf die Nerven gehen. Dann geht viel Energie, Nervenkraft und Beziehungsqualität durch Konflikte verloren.

„Ja, ich bin unsicher“ – sich das einzugestehen kann der erste Schritt sein. Ja, ich bin dünnhäutig und schnell genervt, ich habe mehr Fragen als sie mir jetzt und absehbar jemand beantworten könnte. Und meiner Vorgesetzten geht es ganz ähnlich, nur sie hat mehr Verantwortung. Daher habe ich Geduld mit ihr und mir selbst und versuche so gut wie möglich, schnelle emotionale Impulse zu bremsen und mich im Nachhinein zu fragen, was der Auslöser war und wie ich eigentlich reagieren können möchte.

Balance bewahren – das hilft durch die Krise

Gerade in Krisen zeigt sich: Körper, Emotionen und Geist lassen sich nicht trennen. Die Balance fördert die Resilienz. Daher haben einfache Übungen, um auf körperlicher Ebene rasch Wirkung spüren zu können, genauso ihren Platz wie komplexere Hilfsangebote.

Atemübung zur Achtsamkeit

Es gibt natürlich unzählige Anleitungen für solche Atemübungen, und davon sicherlich auch viele sehr gute. Recht einfach ist diese einfache kurze Achtsamkeitsübung. Als Tipp für die eigene Praxis: Machen Sie diese Übung einmal täglich. Und wenn Sie während des Tages daran denken, dann lassen Sie Ihre Tätigkeit für eine Minute ruhen und nehmen drei tiefe Atemzüge und kehren Sie zur Achtsamkeit zurück.

Bewegungsausgleich für Körper und Psyche

Sport zuhause – für sportliche oder auch (noch) nicht sportliche Menschen gibt es zahlreiche kostenlose Trainingsvideos im Internet. Geben Sie einfach Ihr Suchwort (z.B. Yoga) ein und suchen sich ein Angebot aus, das zu Ihnen passt. Mein Tipp ist fit.KÖLN, ein Angebot der Stadt Köln mit 20- bis 30minütigen Workouts mit dem Trainer Arne Greskowiak, die man auf kleinem Raum ohne Hilfsmittel durchführen kann, mit Variationen für unterschiedliche Fitnessgrade ohne viel Klamauk. Für Einsteiger und fürs Aufwärmen geeignet ist dieses Workout. Unterhaltsamere Trainingsangebote der gleichen Quelle gibt es auch auf Facebook.

Online oder telefonisches Coaching

Zu all diesen Fragen und weiteren Themen von Kommunikation, Führung, Team- und Selbstorganisationen unter diesen Bedingungen der Krise kann es hilfreich sein, Coaching zu nutzen. Das geht derzeit auch gut per Videochat oder Telefon.

Der Deutsche Bundesverband Coaching e.V. (DBVC) steht für Professionalität im Coaching und hat unterschiedliche aktuelle Corona-Angebote, auch pro bono. Hier ist es möglich, innere und äußere Konflikte wie die oben angesprochenen Themen aus der Arbeit individuell zu klären. Bei Fragen und Situationen, in denen es auf einer persönlichen Ebene außerhalb der Arbeit schwierig wird, ist auch die Telefonseelsorge unter 0800 1110111 eine gute Wahl.

Matthias Gradinger ist Trainer und Bildungsreferent an der Malteser Akademie in Ehreshoven. Als Coach hilft er bei der Bewältigung von beruflichen und privaten Krisen und der Klärung (innerer) Konflikte.

Tags  
Malteser Logo

Not erkennen und Nähe geben: Ist das zu schaffen? 80.000 ehren- und hauptamtliche Malteser in Deutschland geben darauf die Antwort, indem sie anpacken. Wir schaffen das, weil wir es können – und weil wir glauben!