ALLGEMEIN, ALTERSGERECHTE MEDIZIN UND PFLEGE, CORONA

Lockerungen in Altenhilfe- und Pflegeeinrichtungen

Altenhilfe- und Pflegeeinrichtungen stehen seit Ausbruch der Corona-Pandemie vor besonderen Herausforderungen: Die Schutzvorkehrungen, die für die gesamte Gesellschaft gelten, haben in diesen Einrichtungen einen besonders hohen Stellenwert, da die Bewohnerinnen und Bewohner alters- und krankheitsbedingt zur höchsten Risikogruppe gehören. Inzwischen sind Besuche, dank einiger Lockerungen, wieder möglich. Aber was bedeutet das für die Mitarbeitenden, Bewohnerinnen und Bewohner? Olga Jabs, Pressesprecherin der Malteser Wohnen & Pflegen gGmbH, berichtet genau darüber im Interview.

Wochenlang waren Altenhilfe- und Pflegeeinrichtungen geschlossen, darunter auch der Malteserstift St. Nikolaus im Horstmann Haus in Duisburg, eine vollstationäre Pflegeeinrichtung der Malteser Wohnen & Pflege gGmbH. Wie die Bewohnerinnen und Bewohner die Lockerungen erlebten, beschreibt Olga Jabs mit einer Mischung aus Freude und Sorge: „Die Bewohnerinnen und Bewohner freuen sich über die Lockerungen, die Stimmung ist auf jeden Fall besser geworden“, sagt sie, „auch die Mitarbeitenden freuen sich, aber es schwingt natürlich auch immer ein bisschen Sorge mit.“

Trotz Wiedersehensfreude einige Bedenken

Neben der großen Wiedersehensfreude haben jedoch einige Bewohnerinnen und Bewohner auch große Bedenken und fürchten sich davor, dass es trotz aller Schutzmaßnahmen zu einer Infektion kommen könnte und die lang ersehnte Freiheit schnell vorbei ist, Einschränkungen wieder in Kraft treten und Besuche erneut unmöglich werden. Diese Sorge ist in den Betroffene teilweise sogar noch tiefer verwurzelt als die Angst vor dem Coronavirus selbst.

„Man muss sich an die Nähe auch erst wieder gewöhnen“

Die Lockerungen der Besuchsregeln bedeuten aber nicht, dass auch die Stimmung untereinander zwangsläufig lockerer ist. Für viele Bewohnerinnen und Bewohner ist die Situation, wie Olga Jabs berichtet, merkwürdig. Es gibt Plexiglasscheiben, Mundschutz ist ohnehin Pflicht und Umarmungen und Berührungen erst recht nicht erlaubt. Aber es ist eben auch besser als nichts. Man müsse sich zudem auch erst wieder daran gewöhnen, Nähe aufzubauen und zuzulassen, erklärt sie weiter. Plattformen wie WhatsApp und Facetime halfen zwar dabei, die Sehnsucht erträglicher zu machen, aber sie ersetzen eben nicht den direkten Kontakt mit der Familie und den Angehörigen.

Aber welche Lockerungen sind überhaupt eingetreten und was bedeutet das genau? Zunächst einmal unterscheiden sich die Lockerungen von Bundesland zu Bundesland. Jedes Bundesland setzt seine Schwerpunkte anders. Im Malteserstift St. Nikolaus (Nordrhein-Westfalen) ist es so, dass sich die Besucherinnen und Besucher u.a. in eine Liste eintragen müssen, Kontaktdaten aufgenommen und Symptome abgefragt werden und die Bewohnerinnen und Bewohner in einen extra hergerichteten Raum begleitet werden. Dadurch soll vermieden werden, dass sich beide Parteien – Angehörige und Bewohner – über den Weg laufen. Zudem müssen strenge Hygieneregeln eingehalten werden. Unverpackte Speisen mitzubringen ist beispielsweise verboten: „Was nicht möglich ist: man darf der Oma nicht den selbstgebackenen Lieblingskuchen mitbringen“, erklärt Olga Jabs.

Die Pflegerin ist plötzlich Fußpflegerin und der Pfleger wird zum Physiotherapeuten

Eine bedeutende Rolle spielt zudem das Personal der Einrichtungen. So müssen Mitarbeitende der Rezeption, neben ihren administrativen Tätigkeit, Sonderaufgaben übernehmen: Sie nehmen Besucherinnen und Besucher in Empfang, nehmen Kontaktdaten auf und weisen in die Hygienevorschriften der Einrichtung ein. Das komme noch on top zu ihrem eigentlich Job hinzu, den sie ohnehin schon ausüben, berichtet Olga Jabs.
Auch das Pflegepersonal muss Jobs übernehmen, die wegen der Corona-Pandemie von anderen nicht mehr übernommen werden dürfen. So ist die Pflegerin plötzlich auch Fußpflegerin und der Pfleger wird zum Physiotherapeuten. Flexibilität des Personals ist in diesen besonderen Zeiten also mehr denn je gefordert. Nicht zu vergessen ist außerdem die emotionale Arbeit des Pflegepersonals, das plötzlich auch zum Familienersatz wurde.

„Pflegekräfte tragen mit die größte Verantwortung dafür, dass das Coronavirus nicht in die Einrichtungen kommt“

Doch nicht nur beruflich müssen sich die Mitarbeitenden den coronabedingten Gegebenheiten anpassen, auch privat müssen sie sich (noch) stärkeren Einschränkungen unterziehen als andere. Für das Pflegepersonal bedeutet das noch viel achtsamer im eigenen Privatleben zu sein: „Pflegekräfte tragen mit die größte Verantwortung dafür, dass das Coronavirus nicht in die Einrichtungen kommt.“ Sie sind also noch viel eingeschränkter als andere Personen und müssen deutlich genauer auf die Einhaltung von Abstands- und Hygieneregeln sowie das Tragen von Mundschutz achten.

Sicherer Umgang mit der Gefahr des Coronavirus wäre wünschenswert

In die Zukunft blickend wünscht sich Olga Jabs jedoch zunächst keine voreiligen und neuen Lockerungen, die schnell umgesetzt werden müssten. Sie ist froh, dass das Hygienekonzept der Einrichtung so gut funktioniert und man Erfahrungswerte sammeln kann. Dennoch würde sie sich wünschen, dass – im Hinblick auf die weiter sinkenden Infektionszahlen – Besuche bald wieder draußen stattfinden können und fittere Bewohnerinnen und Bewohner kleinere Erledigungen auch außerhalb des Geländes tätigen könnten. Abschließend hofft sie, „dass man künftig einen sichereren Umgang mit der Gefahr des Corona-Virus haben wird.“

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