ALLGEMEIN, CORONA, IM EINSATZ

„Wir sind enger zusammengerückt“

Markus Bensmann, Bereichsleiter Notfallvorsorge der Malteser, spricht über Herausforderungen, Lehren und Chancen der Corona-Krise für die Hilfsorganisation.

Die Corona-Krise hält Deutschland seit Ende Februar in Atem. Sie auch? 

Markus Bensmann: Mich hält sie schon länger in Atem. Ich bin in einer Redaktionsgruppe des Zukunftsforums Öffentliche Sicherheit. Wir schreiben ein „Grünbuch“. Das befasst sich mit dem Thema Pandemie und wie Deutschland darauf vorbereitet ist. Wir sind von der Pandemie überrollt worden. Wenn ich die Frage für die Malteser beantworte: Die Pandemie hält uns natürlich in Atem. Aber als Katastrophenschützer war man damit auch schon vorher befasst, nicht in der politischen Agenda, aber in Fachkreisen. 

War es durch ihr Vorwissen leichter zu reagieren? 

Bensmann: Nein. Wir haben in den Arbeitsgruppen festgestellt, dass wir schlecht vorbereitet sind. Das war klar. Dieses Grünbuch richtet sich hauptsächlich an politische Vertreter und weist auf Schwächen hin. Das aktive, etwas ältere Grünbuch sollte fortgeschrieben werden. 

Vor welchen Herausforderungen standen Sie mit den Maltesern zu Beginn der Krise? 

Bensmann: Wir mussten uns natürlich Gedanken machen, wie uns diese Krise als Malteserverbund im Inneren, aber auch in unserem Leistungsspektrum treffen wird und wie wir dem begegnen können. Als Katastrophenschutz-Organisation sind wir natürlich auf alle möglichen Szenarien vorbereitet. So auch, wie man Krisenstäbe und ähnliches  einrichtet. Es ist nicht nur ein Katastropheneinsatz, wie Hochwasser, sondern es trifft uns auch als Organisation. Mit dem Vorstand haben wir als zentralen Krisenstab eine Besondere Aufbauorganisation (BAO) aufgebaut, deren Grundstruktur einem Katastrophenschutzstab ähnelt. 

Es ist eine Premiere, dass alle Malteser Einrichtung unter einer operativen Führung zusammenarbeiten. Wie stark hat es am Anfang geknirscht? 

Bensmann: Erstaunlich wenig. Alle waren dankbar, dass sie sich irgendwo andocken können. Jeder Verbund stand vorher erstmal für sich alleine. So wird ein Austausch aufgebaut.  

Gab es etwas, das Sie nicht lösen konnten? 

Bensmann: Die Beschaffungsprobleme konnten wir nicht vollständig lösen, sie sie aber in Teilen etwas entspannt. Bestimmte Produkte fehlen uns immer noch. Schutzoveralls sind Mangelware. Das Maskenproblem ist kleiner geworden. 

Hat die vorgegebene Struktur der Malteser positiv zur Organisation beigetragen? 

Bensmann: Ja, das ist die Basis. Wir haben ganz große Vorteile über die BAO. Wenn Fragen geklärt werden müssen, zum Beispiel die Wiederaufnahme des Schulbetriebes. Da muss sich nicht jede Dienststelle alleine Gedanken machen, sondern das Thema wird einmal zentral bearbeitet. 

Auf welche Arbeit sind Sie besonders stolz? 

Bensmann: Wir arbeiten lokal, sind sehr schnell und haben den ersten Corona-Drive-In in Deutschland eröffnet. Unsere Flexibilität ist dabei hervorzuheben. Inzwischen haben wir über 380 soziale Initiativen. Darauf kann man sehr stolz sein. Und, dass unsere Mitarbeiter verantwortungsvoll mit dem Materialmangel umgehen. Sie machen trotzdem zuverlässig ihren Dienst. 

Wie geht es weiter? 

Bensmann: Das ist schwer zu sagen, ob es nun eine neue Pandemie wird oder eine zweite Welle Corona. Eins ist sicher: Es wird uns irgendwann nochmal treffen. Darauf sind wir besser vorbereitet. 

Welche Lehren ziehen Sie aus der Krise? 

Bensmann: Die Krise hat gezeigt, dass wir enger zusammengerückt sind. Das wechselseitige Verständnis hat zugenommen. Wir haben gelernt, dass auch andere Nöte abseits des Katastrophenschutzes auftreten. Manche Dinge können wir weiter optimieren. Die bereits gut funktionierende IT-Struktur zum Beispiel muss noch tiefer im Verband verankert werden. 

Haben Sie aktuell die Gelegenheit abzuschalten? 

Bensmann: Abschalten ist aktuell nicht drin. Morgens im Büro habe den ganzen Tag Corona, und wenn ich abends nach Hause komme und mir Nachrichten anschaue, dann ist da auch Corona. Das Merkwürdige ist, dass ich von der Krise draußen tatsächlich relativ wenig mitnehme. Ich bin von morgens bis abends im Büro. Ich nehme von der Außenwelt im Moment gar nichts wahr. Von meiner Frau lasse ich mir beschreiben wie im Moment die Menschentrennung im Supermarkt funktioniert. Das geht sonst an mir vorbei. 

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