ALLGEMEIN, CORONA, IM EINSATZ, SICH ENGAGIEREN

Wo alles begann: Malteser im Kreis Heinsberg berichten

 Die Malteser im Kreis Heinsberg waren als Erste von den Auswirkungen der Corona- Krise betroffen. Wie haben sie die ersten Wochen und Monate erlebt? Wie sind sie mit den Herausforderungen umgegangen? 

Tanja Schneider, 44, ist aktuell die einzige hauptamtliche Mitarbeiterin der Malteser im Kreis Heinsberg. In der Geschäftsstelle in Geilenkirchen managt sie seit Februar mit einer halben Stelle den Bürobetrieb und unterstützt im Bereich Erste-Hilfe- und Sozialpflegekurse. Bei der mittlerweile legendären Sitzung in Gangelt hat auch sie mit ihrem Lebensgefährten Karneval gefeiert. In den Tagen danach bekam sie tatsächlich Symptome einer Infektion, doch glücklicherweise stellte sich heraus, dass es eine „normale“ Lungenentzündung war. „Nach neun Tagen konnte ich das Krankenhaus wieder verlassen“, berichtet Tanja Schneider. Eine Ausnahmesituation blieben die folgenden Wochen aber dennoch. Denn die Einarbeitung in ihre neue Aufgabe fand unter erschwerten Bedingungen statt: Alle waren im Home-Office und Kollegen schwer zu erreichen. Beeindruckt hat Tanja Schneider, wie sehr sich ihre Kolleginnen und Kollegen in allen Bereichen im Kampf gegen Corona eingesetzt haben. 

Nils Koberstein, 27, kommt aus dem kleinen Ort Waldfeucht, war zunächst als Lebensmitteltechniker tätig und ist seit 12 Jahren ehrenamtlich im Rettungsdienst der Malteser aktiv. Von den insgesamt rund 430 Ehrenamtlichen zählt er mittlerweile zu den bundesweit bekannteren. Ein Reporter des Privatsenders ProSieben berichtete über den Heinsberger Kampf gegen Corona und begleitete Koberstein bei einem Krankentransport. Für den jungen Malteser war der Dreh schon etwas Besonderes. „Ich fühlte mich geehrt, stellvertretend für meine Kollegen sprechen zu dürfen“, meint er. In den ersten Wochen seien schließlich alle sehr gefordert gewesen. „Angst vor Ansteckung hatte ich keine, Respekt schon.“ Immer öfter wurden Schutzmaßnahmen bei den Einsätzen notwendig, Mitte April ebbte die Zahl der Transporte von infizierten Patienten jedoch deutlich ab. „Danach stiegen die Zahlen im benachbarten Kreis Düren.“ Hier fährt Nils Koberstein hauptamtlich im Rahmen seiner neuen Ausbildung beim Malteser Bildungszentrum Euregio. Er will jetzt Notfallsanitäter werden. 

Michael Zilgens (32) leitet seit Januar gemeinsam mit Anna Dolic (29) und der Ortsjugendsprecherin Emma Bürgstein (18) die Malteser Jugend in Wassenberg. Angefangen hat alles vor sechs Jahren, als ihre Vorgänger Heiko und Jasmin Dahm eine kleine Gruppe von Kommunionkindern für die Malteser Jugendarbeit begeistern konnten. Rund 45 Kinder und Jugendliche zählt die Gruppe heute. Mit Ausbruch der Corona-Krise wurden alle Gruppentreffen eingestellt. „Natürlich fehlte den Kindern das Zusammensein am meisten“, sagt Michael Zilgens. „Daher haben wir uns sofort Aktionen überlegt, mit denen wir die Verbindung zumindest digital halten können.“ In der ersten Woche rief er die Kinder und Jugendlichen über Instagram und per WhatsApp zum Familienduell auf. Morgens um 9 Uhr gab es eine Aufgabe, zum Beispiel „Schreibt euren Großeltern einen Brief“ oder „Denkt euch einen Schlachtruf für eure Familie aus“. Auch immer mehr Mädchen und Jungen, die nicht direkt zur Malteser Gruppe gehörten, machten mit. Nach sieben Tagen wurden alle Beiträge bepunktet und der Sieger gekürt. Außerdem gab es die Online-Aktion „Montagsmaler“ mit Wörterraten, Spielen im Live-Chat oder Online-Hangouts für ältere Jugendliche. Nach einigen Wochen, so Zilgens, ließ das Interesse an weiteren Aktionen nach, die digitale Verbundenheit kam an ihre Grenzen. „Am Ende zählt nur die echte Nähe“, lautet sein Fazit aus Corona-Zeiten. 

Tags  
Malteser Logo

Not erkennen und Nähe geben: Ist das zu schaffen? 80.000 ehren- und hauptamtliche Malteser in Deutschland geben darauf die Antwort, indem sie anpacken. Wir schaffen das, weil wir es können – und weil wir glauben!