Ein Helfer von Malteser International im Einsatz in Manila
ALLGEMEIN, CORONA, INTERNATIONAL

Ein hoher Preis

Die Folgen der Pandemie werden für die kommenden Jahre tiefe Narben hinterlassen. Selten war Solidarität so sehr geboten wie heute.

Ob arm oder reich – die Welt zieht an einem Strang mit dem Ziel, die Verbreitung des neuartigen Coronavirus einzudämmen. Wir wissen: Ungehindert würde das Virus insbesondere die gesundheitlich Schwächsten in unserer Gesellschaft am härtesten treffen. Es würde keinen Unterschied zwischen Arm und Reich machen. Oder macht es das doch?

Die Folgen der Pandemie für Arm und Reich

Privilegierte Menschen können sich auch während der Pandemie schützen, ein Einkommen erzielen und einen guten Lebensstandard erhalten. Weil sich die AHA-Regeln weitgehend durchgesetzt haben, weil viele Menschen ihrer Arbeit im Homeoffice nachgehen können, weil es eine ausreichende medizinische Versorgung gibt, und auch, weil soziale Sicherungssysteme greifen, wie zum Beispiel das Kurzarbeitergeld in Deutschland.

Dabei bewegt sich weltweit nur eine Minderheit in einer solchen Komfortzone. Nach Schätzungen des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen haben die Corona-Restriktionen bereits 100 Millionen Menschen in extreme Armut gedrängt.

Rekordarbeitslosigkeit und Bildungsstopp

Weltweit herrscht Rekordarbeitslosigkeit. Tagelöhner, die in den Slums der Megacitys leben und deswegen oftmals stigmatisiert werden („Corona kommt aus den Slums“), finden keine Arbeit mehr. Staatliche Sicherungssysteme, die sie auffangen könnten, gibt es nicht. Jane Ndeya, Mutter von neun Kindern, lebt in einem Slum in Nairobi. Bis zur Pandemie war sie auf tägliche Arbeit im informellen Sektor angewiesen. „Für uns ist es unmöglich geworden Arbeit zu finden, um genügend Essen zu kaufen“, berichtet Jane. Über all dem steht die Bedrohung einer möglichen Infektion mit dem Virus. Mindestabstand und regelmäßiges Händewaschen sind in Slums mit beengtem Wohnraum und ohne sauberes Wasser nur schwer einzuhalten.

Schulunterricht: Für weltweit 1,4 Milliarden Schülerinnen und Schüler bedeutet die Pandemie einen kompletten Bildungsstopp. Statt Online-Unterricht haben die Schulen in vielen Regionen der Welt schlicht geschlossen. Auch wenn die wahren Kosten der Pandemie vielleicht niemals genau beziffert werden können, wird auch hier deutlich, wer die Lasten zu tragen hat und dass die Pandemie uns in den Entwicklungszielen für die Menschheit weit zurückgeworfen hat.

Multiple Krise in der Demokratischen Republik Kongo

In der Demokratischen Republik Kongo haben die Restriktionen zu einer drastischen Zuspitzung der Ernährungssituation in der Demokratischen Republik Kongo geführt. Hier hat laut dem Welternährungsprogramm über die Hälfte der 84-Millionen-Bevölkerung keinen Zugang mehr zu ausreichender Nahrung. 43 Prozent der Kinder unter sechs Jahren sind chronisch unterernährt.

„Bereits vor der Pandemie waren die Menschen in der DR Kongo von Hungerkrisen gezeichnet, welche vor allem durch zahlreiche gewaltsame Konflikte verursacht wurden. Hinzu kamen regionale Neuausbrüche des hochgefährlichen Ebola-Virus. Die Restriktionen infolge der Corona-Pandemie haben diese Krisen jedoch noch einmal verschärft. Die Menschen sind verzweifelt“, erklärt Roland Hansen, Leiter des Afrika-Teams bei Malteser International, dem internationalen Hilfswerk des Malteserordens.

Die Malteser sind bereits seit 1996 in dem zentralafrikanischen Staat tätig. Von zwei Länderbüros aus pflegt die Organisation ein breites Netzwerk mit freiwilligen Helfern aus den Gemeinden und mit lokalen Partnerorganisationen. Gemeinsam werden Hilfsprojekte für Gesundheitseinrichtungen, in der Ernährungssicherung und in der Versorgung mit Wasser, Sanitäreinrichtungen und Hygiene realisiert. Zum Beispiel unterstützt die Organisation Mütter von unter- oder mangelernährten Kindern und vergibt Zusatznahrung an sie. Familien erhalten von Malteser International Saatgut und Trainings in modernen Anbaumethoden.

Niemanden zurücklassen

„Unser Anspruch ist es, im Schatten dieser Pandemie niemanden allein zurückzulassen. In all den Jahren meiner Tätigkeit in der humanitären Hilfe war weltweite Solidarität nie so geboten wie heute“, sagt Ingo Radtke, der als Generalsekretär die operativen Geschäfte von Malteser International 16 Jahre lang geleitet hat und zum Ende des Jahres in den Ruhestand treten wird. „So komplex und gefährlich die Pandemie für uns alle ist: Wir können sie nur gemeinsam meistern. Es ist wichtig, dass wir die Menschen in den AHA-Regeln trainieren, aber wir dürfen nicht diejenigen vergessen, die aufgrund der Restriktionen Hunger erleiden und um ihr Überleben kämpfen müssen.“

Weltweit helfen in Zeiten der Pandemie

Malteser International steht weltweit benachteiligten Menschen zur Seite und hilft ihnen, gesund durch die Krise zu kommen: Schwangeren, Kindern, älteren Menschen, Menschen mit Behinderungen und Flüchtlingen.

Online spenden: http://mint.ngo/spenden

Text: Susanne Kerner Fotos: Nyokabi Kahura

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