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Ein Hauch von Weltkirche

Text: Frank Kaiser

Ein Hauch von Weltkirche lag jetzt im weißrussischen Minsk in der Luft. Mehr als 200 Gäste, teilweise von weit hergereist, nahmen an den Festlichkeiten zur Einweihung der neuen Kapelle teil, die zur römisch-katholischen Pfarrei von St. Franciscus gehört. Ihre Inneneinrichtung stammt aus dem Erzbistum Paderborn: Malteser aus Büren und Hövelhof hatten die Spende Ende August mit einem Hilfstransport auf die Reise geschickt.

„Das ist schon etwas ganz besonderes, die Einweihung dieser Kapelle erleben zu dürfen“, sagt Franz Kudak, Beauftragter der Malteser in Hövelhof. Gemeinsam mit Volker Horenkamp, Leiter des Malteser Auslandslagers in Büren, und Michael Daemen, Leiter des Malteser Länderbüros Weißrussland aus Vechta, war er als Ehrengast bei den Feierlichkeiten dabei. „Wir konnten uns vor Ort überzeugen, dass unsere Hilfslieferung hier gut angekommen ist“, so Volker Horenkamp. Erstmals in der fast 30-jährigen Geschichte der Osteuropahilfe im Erzbistum Paderborn hatten die Malteser eine komplette Kircheneinrichtung mit einem LKW verschickt.

Zwischenstation in Büren

Möglich machte das die Auflösung der britischen Catterick Barracks in Bielefeld. Deren Kircheneinrichtung stand zur Verfügung. Und so macht sich im Juli 2018 Malteser Karl-Heinz Lieb vom Hövelhofer Auslandsdienst auf den Weg. Vor ihm liegt, wie so oft, eine logistische Herausforderung. „Uns war klar, dass wir für den Transport der schweren Kircheneinrichtung einen 7,5 Tonner LKW mit einer Hebebühne brauchen.“ Gemeinsam mit Helfern der Bürener und Hövelhofer Malteser belädt er den LKW und sichert die Ladung. Zunächst geht sie in das diözesane Auslandslager der Malteser in Büren.

Dort angekommen heißt es wiederum abladen. Nun übernehmen Frank Janssens, Leiter Auslandsdienst in Büren, und Volker Horenkamp die Regie. Hier, im Industriegebiet an der Neubrückenstraße 7, sammeln sie auf mehreren hundert Quadratmetern das ganze Jahr über tonnenweise gespendete Güter, lagern sie ein und verschicken sie an ihre Partner in Osteuropa.

Keine Lieferung wie jede andere

„Die Menschen in der Diözese Minsk brauchen aktuell unter anderem dringend Pflegebetten, Rollstühle und Rollatoren und Waschmaschinen“, sagt Volker Horenkamp. „All diese gebrauchten aber gut erhaltenen Gegenstände haben wir über einige Wochen und Monate hier gesammelt.“ Ende August ist die Lieferung komplett: Helfer der Malteser in Büren und Hövelhof verladen Kircheneinrichtung und Hilfsgüter mit vereinten Kräften auf einen großen 40 Tonner LKW. „Eine solche Lieferung hat wirklich Seltenheitswert“, sagt Frank Janssens. Denn für die Kirche in Minsk werden u. a. hölzerne Sitz- und Kniebänke, ein Taufbecken, ein Altar, ein Tabernakel und sogar eine Orgel verladen. Zwölf Tonnen schwer, gehen die 84 Kubikmeter Hilfsgüter auf die 1.500 Kilometer lange Reise.

Große Freude in Minsk

Ortswechsel: Groß ist die Freude zwei Tage später, als die Partner von der weißrussischen Caritas um Pater Andrei Zhylevich, Kapuzinermönch und Caritasdirektor der Diözese Minsk-Mogilev, die Güter in Empfang nehmen. Nur wenige Wochen später erreicht die Malteser eine frohe Nachricht von ihm und von Pater Aleh Shenda, Kustode der Kapuziner in Weißrussland: Planmäßig kann die Kapelle eingeweiht werden – und natürlich sind die Malteser als Ehrengäste dazu herzlich eingeladen. Dass die Kapelle so schnell fertig gestellt werden konnte, dazu hat auch eine Spende des Erzbistums Paderborn über 2.000 Euro beigetragen.

Ein leicht bewölkter Himmel im goldenen Herbst empfängt die Malteser in Minsk. Michael Daemen steht, von dem Fortschritt beeindruckt, vor der fertigen Kapelle. „Noch vor drei Jahren war hier überall nur grüne Wiese“, erinnert er sich. „Binnen kurzer Zeit wurde hier ein kompletter neuer Stadtteil aus dem Boden gestampft.“ Schon 30.000 Menschen leben hier, in Nowoya Borowaya, im äußersten Nordosten der weißrussischen Hauptstadt. Wo früher das Land brach lag, stehen jetzt Wohnhäuser – und der Stadtteil wächst stetig weiter. Mitten im Stadtzentrum bauen die Kapuziner Mönche einen Gebäudekomplex, in dem nicht nur Heilige Messen gefeiert werden. „Hier entsteht nicht weniger als das geistige Zentrum der Kapuziner in Weißrussland“, sagt Franz Kudak. Ein Platz, an dem Kurse zur Firmvorbereitung stattfinden werden. Eine Begegnungsstätte, in der bedürftige Menschen Unterstützung und eine warme Mahlzeit bekommen. „In der Kapelle wurden schon Heilige Messen gefeiert, da war das hier noch eine Baustelle – mit rohen, unverputzten Betonwänden und Plastikfolie vor dem Fenster“, sagt Michael Daemen.

Hohe Prominenz gibt sich am Einweihungstag die Ehre: Kurz vor der Messe steigt ein sichtlich gut gelaunter Tadeusz Kondrasiewicz, Erzbischof der Diözese Minsk-Mogilev, aus seinem Auto und begrüßt die Gläubigen. Freudig überrascht geht er auch auf die Malteser zu, mit denen er schon seit Jahren gut zusammenarbeitet. Über 200 Gläubige kommen an diesem Tag zur Messe. Junge Menschen und Senioren, Frauen und Männer, ganze Familien: Frohe und beseelte Gesichter, wohin man blickt. Auch Vertreter der bekannten Kirchenzeitung Catholic.By sind zu diesem besonderen Anlass gekommen. Erst kürzlich haben sie ein Porträt über Michael Daemen veröffentlicht. Vielen gläubigen Weißrussen ist er durch sein langjähriges Engagement mittlerweile gut bekannt.

Die kleine Kapelle rechts muss nur noch gestrichen werden. Die Kirche der Pfarrei von St. Franciscus ist noch in Bau und wird voraussichtlich in einem Jahr fertiggestellt. Foto: Aleksandra Szczyglińska/Catholic.By

 

Feierliche Einweihung

Und dann ist es endlich soweit. Feierlich läuten die Glocken zur Messe in dem neuen Gotteshaus. Der Duft der in einem frohen Gelbton frisch gestrichenen Wände empfängt die Gläubigen. Für jedermann gut sichtbar, an der Wand direkt hinter dem Altar, ist der gespendete Tabernakel aus Bielefeld befestigt. Als Erzbischof Tadeusz Kondrasiewicz zum Sprechen anhebt, legt sich eine würdevolle, getragene Atmosphäre über den Raum. Mit Worten der Freude und des Dankes weiht er die Kapelle ein.

Auch die drei Malteser sind ergriffen von der Stimmung. „Wo früher britische Soldaten gebetet haben, dort können jetzt die Menschen aus Nowoya Borowaya Platz nehmen und ihre Heiligen Messen feiern“, freut sich Franz Kudak. „Wir sind stolz, einen Beitrag dazu geleistet zu haben und erleben hier große Dankbarkeit. Denn hier sehen wir unseren Malteser Ordensleitspruch ´Bezeugung des Glaubens und Hilfe den Bedürftigen´ mit viel Leben erfüllt.“

Doch noch stehen nicht alle Holzbänke und einige andere der 35 Teile umfassenden Einrichtung. Denn diese sind für die große Kirche gedacht, die nebenan noch gebaut wird. In etwa einem Jahr soll sie fertig sein. Bis dahin wird den Maltesern aber sicher nicht langweilig. Denn noch vor Ort vereinbaren sie mit den Kapuzinern ein weiteres Hilfsprojekt: Eine stationäre Einrichtung für Kinder mit einer Behinderung in der Stadt Kletsk nahe Minsk bedarf der Renovierung. Und so beginnt im Herbst 2018 ein neues Kapitel einer langen und wichtigen Partnerschaft.

Als Gastgeschenk übergeben (v.l.) Michael Daemen, Franz Kudak und (r.) Volker Horenkamp ein stilisiertes Kreuz eines Paderborner Künstlers an Pfarrer Oleg Woitekhovitsch, OFMCap. Foto: Aleksandra Szczyglińska/Catholic.By
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