Gemeinde-Notfallsanitäter Lars Christians
ALLGEMEIN, IM EINSATZ

Es muss nicht immer Blaulicht sein

In der Großleitstelle Oldenburger Land läuft ein Notruf auf. Die Anruferin berichtet dem Disponenten, dass es ihrem betagten Vater nicht gut geht. Auch auf Nachfrage ergibt sich für den Mitarbeiter in der Leitstelle kein klares Bild. Bis vor kurzem wäre jetzt sicherheitshalber ein Rettungswagen alarmiert worden. In der Oldenburger Leitstelle haben die Disponenten seit Januar 2019 eine Alternative: den Gemeindenotfallsanitäter.

Bei Lars Christians löst der Melder aus. Er ist an diesem Tag an der Malteser Rettungswache in Oldenburg der diensthabende Gemeindenotfallsanitäter. Der 45-Jährige begibt sich ohne Eile zu seinem Einsatzfahrzeug. Kein Grund für Hektik; die Eintreffzeit für den Gemeindenotfallsanitäter beträgt 30 Minuten. Blaulicht und Signalhorn bleiben deshalb auf der Anfahrt aus. „Ich arbeite seit 22 Jahren im Rettungsdienst und bin vor einem halben Jahr extra wegen des Gemeindenotfallsanitäter-Projekts zu den Maltesern gewechselt“, erzählt Lars Christians. „Die Idee, speziell geschulte Rettungskräfte als Bindeglied zwischen Rettungsdienst, kassenärztlichem Bereitschaftsdienst und Klinik einzusetzen, kenne ich aus England. Das fasziniert mich.“

Neben der Stadt Oldenburg beteiligen sich auch die Landkreise Vechta, Cloppenburg und Ammerland an dem Pilotprojekt „Gemeindenotfallsanitäter“. Mit dessen Hilfe soll versucht werden, die Zahl nicht erforderlicher RTW-Einsätze zu reduzieren, ohne die Versorgungsqualität zu gefährden. Gemeindenotfallsanitäter kann nicht jeder werden. Er oder sie muss mindestens 25 Jahre sein, eine Berufserfahrung von wenigstens fünf Jahren vorweisen und eine 480-stündige Zusatzausbildung absolvieren. Diese umfasst unter anderem Praktika in Urologie, Geriatrie und in einer Hausarztpraxis. Insgesamt wurden 25 Bewerber zugelassen. Elf Gemeindenotfallsanitäter entsenden die Malteser aus Oldenburg und von der Rettungswache Lohne im Landkreis Vechta. Die weiteren Kräfte stellen das DRK im Landkreis Cloppenburg sowie der Rettungsdienst im Landkreis Ammerland.

Ein Job für erfahrene Retter

 
Nach kurzer Zeit erreicht Lars Christians die Einsatzstelle. Auch wenn sein Fahrzeug ähnlich wie ein Rettungswagen ausgestattet ist, entscheidet er sich für die Hausarzttasche. So hat er beispielsweise statt eines hochpotenten Analgetikums zusätzlich eine Salbe als Schmerzmittel dabei. „In der Regel bei rheumatischen Beschwerden völlig ausreichend“, beruhigt Christians.

Sehr gewissenhaft untersucht der Gemeindenotfallsanitäter den Patienten. Da er, anders als eine RTW-Besatzung, allein im Einsatz ist, trägt er die gesamte Verantwortung. Ergäben sich Hinweise für eine ernsthafte Erkrankung, würde Lars Christians sofort notfallmedizinische Maßnahmen ergreifen, einen Rettungswagen und den Notarzt nachfordern oder die Telemedizin des Klinikums Oldenburg kontaktieren. In diesem Fall handelt es sich aber nur um einen grippalen Infekt, der für Atembeschwerden sorgt. Christians kann den Patienten vorbehandeln und dessen Tochter beruhigen: kein Transport ins Krankenhaus, aber bitte den Hausarzt zur weiteren Behandlung aufsuchen.

Der Rettungswagen brauchte dank des Gemeindenotfallsanitäters diesmal nicht auszurücken – und konnte in der Zwischenzeit womöglich zu einem tatsächlichen Notfall alarmiert werden.

Lars checkt das Fahrzeug
Gemeinde-Notfallsanitäter Lars Christians beim Checken der Ausrüstung

Text und Fotos: Lars Schmitz-Eggen

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