ALLGEMEIN, ALTERSGERECHTE MEDIZIN UND PFLEGE

Gegen das Vergessen – Demenzbegleiterin Daniela

Als ehrenamtliche Demenzbegleiterin unterstützt Daniela seit drei Jahren demenziell veränderte Menschen und ihre Familien. Dabei greift sie auch auf ihre ganz persönliche Erfahrung mit der Krankheit zurück.

Was macht man als Demenzbegleiterin?

Vor allem verbringt man viel Zeit mit demenziell veränderten Menschen. Denn um die Angehörigen zu entlasten, nehmen wir ihnen ein- bis zweimal pro Woche für einige Stunden deren Betreuung ab. Was wir dann genau machen, hängt vom Gesundheitszustand und den Interessen der Betroffenen ab. Machen wir Hausbesuche, spielen wir zum Beispiel Gesellschaftsspiele, sehen Fotos an, lesen etwas vor oder gehen gemeinsam spazieren. Wer noch fit ist, kann aber auch ins Café Malta kommen. Dort sind wir einmal pro Woche für drei Stunden zu erreichen. Hier sitzt man in größerer Runde beisammen, trinkt Kaffee, singt oder bastelt.

Das Thema Demenz ist nicht einfach. Warum haben Sie sich trotzdem für das Ehrenamt entschieden?

Bei meinem Vater wurde vor einigen Jahren Alzheimer diagnostiziert. Kurz darauf habe ich zufällig in der Zeitung gelesen, dass die Malteser einen Kurs anbieten, in dem man lernt, demenziell veränderte Menschen zu verstehen und zu begleiten. Ursprünglich hatte ich das Ehrenamt gar nicht auf dem Schirm. Ich wollte einfach nur mehr über das Krankheitsbild und Tipps für den
künftigen Umgang mit meinem Vater erfahren. Nachdem ich den Kurs besucht hatte, fragten die Malteser, ob ich mir die Arbeit als Demenzbegleiterin vorstellen könnte. Ich dachte mir: „Warum eigentlich nicht?“.

Das Ehrenamt und die Pflege Ihres Vaters: Wie gehen Sie mit der doppelten Belastung um?

Bei meinem Vater finde ich die Erkrankung deutlich schwerer zu verkraften. Wir stehen uns sehr nah – deshalb nehme ich jede Veränderung an ihm wahr. In der professionellen Demenzbegleitung ist das etwas anders. Natürlich verbringt man auch hier viel Zeit mit liebenswerten Menschen, aber trotzdem hat man einen gewissen Abstand. Deshalb ist es immer wieder herausfordernd, jemand Neues zu begleiten. Vertrauen zu schaffen und für die nötige Akzeptanz zu sorgen – das ist nicht einfach. Aber bisher hat es immer gut geklappt.

Empfinden Sie Ihre persönliche Erfahrung mit der Krankheit als hilfreich für die Arbeit?

Ja, auf jeden Fall. Viele Verhaltensweisen kenne ich schon von meinem Vater und kann in bestimmten Situationen entsprechend darauf reagieren.

Was mögen Sie besonders an Ihrem Ehrenamt?

Die Reaktion der begleiteten Menschen auf meine Arbeit. Oft kommt es vor, dass jemand meine Hand nimmt, mich spontan umarmt oder drückt. Diese ehrliche Freude und Dankbarkeit, die treibt mich an. Für mich sind solche Momente einfach unbezahlbar.

Haben Sie einen Tipp für Menschen, die unsicher im Umgang mit Betroffenen sind?

Demenziell veränderte Menschen haben ein sehr ausgeprägtes Bedürfnis nach Nähe. Sie brauchen das Gefühl, geliebt zu werden. Mindestens genauso wichtig ist ihnen aber auch von der Umwelt verstanden zu werden. Schreitet die Krankheit voran, können sie Handlungen vielleicht nicht mehr richtig einordnen oder sie finden sich in ihrer Umgebung nicht mehr zurecht. Wer würde da nicht auch mal unfreundlich oder aggressiv reagieren? In so einem Fall sollte man Ruhe bewahren und Zuwendung zeigen. Selbst wenn Betroffene verbal nur noch schwer zu verstehen sind: Was spricht dagegen so zu tun, als würde man ein echtes Gespräch führen? Für mich ist es sehr wichtig, den Betroffenen auf gleicher Ebene und mit Respekt zu begegnen.

Weitere Infos finden Sie unter www.malteser-demenzkompetenz.de

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