KOMPETENZ IN DEMENZ

Heilung bei Demenz? Nicht in Sicht. Was bleibt?

Aus der Demenzforschung erreichen uns zu Beginn des Jahres 2018 unterschiedliche Nachrichten. Zuerst die schlechte: Der US-Pharmakonzern Pfizer hat angekündigt, sich aus der Alzheimer Forschung zurückzuziehen, weil er keine Erfolge und keinen Durchbruch sieht bei der Entwicklung neuer Medikamente, welche die Krankheit heilen oder wenigstens aufhalten könnten. „Pfizer wie auch andere Pharmaunternehmen mussten in der Alzheimerforschung Rückschläge einstecken. Nach wie vor ist unklar, welcher wissenschaftliche Weg Erfolg verspricht,“ so die Begründung des Konzerns.

Die Schwierigkeiten bei der Entwicklung neuer Medikamente rühren daher, dass die Mechanismen bei der Krankheitsentstehung sehr unterschiedlich und teilweise immer noch unbekannt sind. Es bleibt bis auf weiteres dabei, dass das letzte neu zugelassene Alzheimer-Medikament das Präparat Memantine ist. Das war im Jahr 2002. Macht 15 Jahre ohne nennenswerten Erfolg in der Alzheimer Forschung. Und jetzt?

Selbstheilungskräfte statt Medikamente?

Vielleicht der Ansatz des deutschen Hirnforschers Gerald Hüther? Er postuliert in seinem Buch „Raus aus der Demenzfalle!“ vehement eine Änderung des Lebensstils, um die Selbstheilungskräfte des Gehirns zu aktivieren. Seine Überzeugung: Wir hätten es zukünftig selbst in der Hand, ob wir im Alter an Demenz erkranken oder ob sich in unserem Gehirn neue Verknüpfungen bilden. Also sollen wir es nach Kräften füttern, auf gute Ernährung sowie genug Bewegung achten und immer in Kontakt mit anderen bleiben.

Hüther gründet seine These auf die berühmte „Nonnenstudie“. Obwohl die posthum untersuchten Gehirne von mehr als 600 Nonnen degenerative Prozesse vergleichbar denen einer schweren Alzheimer Demenz aufwiesen, zeigten sie zu Lebzeiten keine oder kaum Symptome. Hüthers Conclusio: Der Lebensstil der Nonnen habe präventiv gewirkt und die „neuroplastische Umbaufähigkeit“ des Gehirns erhalten. Und dann führt Hüther noch den salutogenetischen Ansatz von Aaron Antonovsky mit der Bedeutung eines „kohärenten Selbstgefühls“ ins Feld. Laut Hüther leiden die Selbstheilungskräfte unseres Gehirns vor allem darunter, dass wir Widersprüche nicht lösen können. Durch die Stärkung des kohärenten Selbstgefühls hingegen könnten wir Demenzerkrankungen vorbeugen. Soweit grob vereinfacht und kurz zusammengefasst Hüthers Theorie, die sicher bedenkenswerte Ansätze enthält, aber in Gänze doch eher utopisch erscheint.

Und eine Heilung ist auch beim Ansatz von Gerald Hüther nicht in Sicht – daran lässt der Autor in seinem Buch keinen Zweifel. Solange dies so ist, bleibt uns die Prävention. Wie die konkret aussehen könnte? Jeden Tag versuchen, ein bisschen gesünder zu leben. Was es dazu braucht, wissen die meisten von uns selbst.

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