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„Herrliches Abendbrot und ein wunderbares Zimmer“

Rund 50.000 DDR-Bürger flohen im Sommer 1989 über Ungarn in die BRD. Unter ihnen der damals 7-jährige Journalist und Blogger Airen und seine Eltern. Was die kleine Familie auf ihrer Flucht damals erlebte, hielten die Eltern von Airen in einem Fluchtalbum eindrucksvoll fest. Bis zum Tag des Mauerfalls, am 09. November, folgen insgesamt vier Teile der Fluchtgeschichte.

Teil 3:

Tag 19:
Besuch bei der Presse:
Wir melden uns für ein Interview beim französischen Fernsehen, BBC und Daily Express London an. Die Leute beschenken meinen Sohn mit Süßigkeiten und Geld. Wir treffen auf einen Holländischen Reporter und haben in Geringswalde angerufen. Sind außerdem bei Familie Zacher gewesen.

Unser Startkapital liegt bei 3 x 50 DM (Friedlandhilfe) und
3 x 200 DM (Überbrückungsgeld).
12.09.1989 Erster Rast in Österreich. Der Presse-Hubschrauber filmt die Busse. Lutz gibt einem holländischen Reporter ein Interview.
23.30 Uhr
24.00 Uhr
Passieren der Passauer Grenze:
Wir haben die Grenze in Passau passiert. Ein überwältigender Empfang in Passau! Hunderte Bürger empfangen uns sehr herzlich. Regierungssprecher Klein und der Passauer OB halten eine kurze Ansprache.
Ein Mann hilft uns beim Koffer tragen und lädt uns ein.
Die Malteser von Pfünz sowie Herr Bamberger kümmern sich sehr stark um uns. Ihr Ziel ist es, 50% der Flüchtlinge mit Arbeit und Wohnung zu versorgen. Ergebnis: 18 Personen fahren in das nächste Lager, darunter welche die nicht mit guten Angeboten zufrieden waren. Wir haben oft in der Kirche geholfen.
Tag 20 :
13.09.1989Weiter geht’s nach Pfünz:
Wir fahren von Passau über Landshut-Meinchen nach Grabenstätt. In Grabenstätt wird uns mitgeteilt, dass es weiter nach Pfünz geht (absolutes Chaos herrscht hier).
22.00 Uhr Ankunft in Pfünz. Ein herrliches Abendbrot und ein wunderbares Zimmer erwartet uns.
Tag 21 :
14.09.1989Kontakt in die Heimat:
Haben erste Briefe an die Eltern geschrieben. Lutz hat ein Vorstellungsgespräch bei der Firma „Kathrein“ in Rosenheim abgesprochen.
Tag 22 :
15./ 16.09.1989Im Park erholt.
Tag 23 :
18.09.1989Lutz fährt zur Firma „Kathrein“. Er wird eingestellt, es herrscht große Freude.
Airen und seine Eltern beim Frühstück.
Tag 24 :
21.09.1989Abendessen bei Familie Albert:
Ein Zivildienstleistender fährt uns nach Rosenheim. Frau Albert holt uns ab und wir sind um 19.00 Uhr zum Abendessen eingeladen. Eine sehr nette Familie, zu jeder Unterstützung bereit
Sind in Preitting in einem sehr schönen Bauernhaus bei Familie Rinser untergebracht.
Tag 25 :
22.09.1989Enttäuschung bei der Wohnungssuche:
Frau Albert fährt mit uns eine Wohnung ansehen. Der erste Eindruck war doch für uns etwas frustrierend. Als der Vermieter uns aber sagt, dass die Möbel stehen bleiben können, überlegen wir uns die Wohnung für ¼ Jahr zu nehmen und unser Geld zu sparen.
Tag 26 :
22.09.1989Herrliche Landschaft:
Wir machen einen Ausflug mit Familie Albert. Wir besteigen über eine herrliche Almwiese den Heuberg
Eine wunderschöne Landschaft, wo wir Alm-Kühe mit Glocken sehen.
Haben Drachenflieger beobachtet und unser Sohn ist unermüdlich.
Tag 27 :
25.09.1989Lutz hat seinen 1. Arbeitstag.
Tag 28 :
26.09.1989Erste Behördenhänge beim Arbeitsamt, bei der Gemeinde und in der Schule.
Tag 29 :
27.09.1989Keine Passkontrolle:
Haben von Familie Rinser und deren Bekannten viel geschenkt bekommen. Darunter: Töpfe, Kaffeeservice, Gläser und Messer.
Frau Albert fährt uns nach Kirchdorf. Die Elektriker sind noch da.
Fahren mit nach Österreich ins Zillertal. Dort will keiner unseren Pass sehen. Für uns unbegreiflich!
Airen und seine Mutter.
Tag 30 :
29.09.1989Frustration macht sich breit:
Bin nun allein in der Wohnung. Es ist deprimierend. Mein Sohn hat seinen 1. Schultag. Wir versuchen ständig in Eichstätt anzurufen, um am CSU Kreisparteitag teilnehmen zu können.
Tag 31 :
30.09.1989Zu teuer:
Können nicht teilnehmen: alles ist schlecht organisiert. Holen uns OVB und suchen nach Wohnungsangeboten. Schauen uns DHH an: 1.500,- DM kalt!
Tag 32 :
03.10.1989Wohnungssuche ist weiter schwierig:
Haben uns ein DH in Aising angesehen: 1.100,- DM kalt. Haben wir allerdings abgelehnt wegen der Lage. Lutz wurde bei Rotarier eingeladen und wir haben eine Einladung für Sonntag bei Familie Burkhart.
Tag 33 :
04.10.1989 Haben uns weitere Wohnungen angesehen, aber abgelehnt, weil die Zimmer sehr klein sind. Ein Haus, das stark umbaut wurde kostet 850 DM kalt.
Tag 34 :
05.10.1989Nichts läuft so richtig rund:
Haben Ärger mit dem Elektrikern. Alle Heizkörper sind kalt, auch bei Frau Erdmann. Haben die Kreditunterlagen in Bad Aibling abgeholt.
12.30 Uhr In der Wohnung ist alles in Ordnung.

13.15 Uhr
Lutz ruft bei Frau Albert an. Katastrophe – bei Frau Erdmann läuft das Wasser in Strömen von der Decke. Der Boiler ist im Bad zerplatzt.

Wie es im letzten Teil der Fluchtgeschichte mit Airen und seinen Eltern weitergeht und welches Wechselbad der Gefühle die kleine Familie bei der Einfahrt in die DDR erlebte, lest ihr im finalen Teil am 09. November.

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