SICH ENGAGIEREN

In Führung gehen

Bei den Maltesern tragen Ehrenamtliche Führungsverantwortung. Eine neue Seminarreihe fördert gezielt den Führungskräftenachwuchs.

Felix Hohmann ist wieder einmal in Rom. Diesmal begleitet er eine Ministranten-Wallfahrt als Sanitäter. Die Ewige Stadt spielt in seiner Biografie eine besondere Rolle. „Vor acht Jahren habe ich hier bei einer Ministranten-Wallfahrt einen Malteser aus meiner Heimatstadt Rüsselsheim kennengelernt.“ Als frisch gebackener Schulsanitäter fragte Hohmann nach, was die Malteser machen, wurde eingeladen und war kurz darauf mit an Bord.

Acht Jahre später ist der 24-Jährige zum Leiter Einsatzdienste in Rüsselsheim aufgestiegen. Als er gefragt wurde, hat er ja gesagt. Schließlich war er zuvor bereits in der Ortsleitung und Gruppenführer der Dekontaminations- und Infekteinheit. Auch dass sein Vorgänger sich bereit erklärte, für fachliche Fragen zur Verfügung zu stehen, hat die Entscheidung, eine Führungsaufgabe zu übernehmen, erleichtert.

Fachliche Herausforderungen sind jedoch meist die kleinere Hürde, wenn es darum geht, ob Ehrenamtliche auch führen wollen, sagt Lena Ferchow von der Malteser Akademie. Sie hat das Programm „Potentiale entdecken, führen lernen“ mitentwickelt, mit dem die Malteser „Potenzialkräfte“ gezielt fördern – gemeint sind jüngere Ehrenamtliche mit der Perspektive, in den kommenden Jahren eine Führungsrolle auszuüben. „Wir thematisieren Fragen, die sich stellen, wenn die Entscheidung ansteht, und vermitteln die nötigen Kompetenzen“, so Ferchow.

Felix beim Sanitätsdienst in Rom /Foto: Alexander Pohl

Von Oktober 2017 bis Juni 2018 wurde das neue Programm erstmals in der Region Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland angeboten. Die Initiative kam vom Landesbeauftragten in Hessen, Moritz Graf von Brühl, und von Regionalgeschäftsführer Ulf Reermann, die das Zukunftsthema „Führen im Ehrenamt“ aus dem Programm „Miteinander Malteser – Ehrenamt 2020“ um einen Baustein zur Nachwuchsförderung ergänzt sehen wollten. Der erste Durchgang wurde von allen Diözesen der Region finanziell unterstützt. „Wenn wir von Potenzialkräften reden, sollten wir zuerst in den eigenen Reihen schauen. Viele Köpfe von morgen sind heute schon bei uns“, sagt Malteser Vizepräsidentin Vinciane Gräfin von Westphalen. „Dann aber sollten wir den Blick weiten, weil manchmal auch ein Impuls von außen guttut. In beiden Fällen führt die Seminarreihe potentielle Führungskräfte an neue Aufgabe heran, ohne sie ins kalte Wasser zu werfen.“

 

Felix Hohmann war als einer von neun Teilnehmern eingeladen. Die Seminarreihe habe ihn als Führungskraft verändert, sagt er. „Mich hat es sehr bestärkt, weiterzumachen und bei Bedarf auch noch mehr Verantwortung zu übernehmen.“ In 58 Unterrichtseinheiten an fünf Wochenenden richteten die Teilnehmer den Blick auf eigene Potenziale und den eigenen Führungsstil, erprobten Kommunikationsformen sowie das Führen in Konflikten und erkundeten die Führungswerkzeuge des Ehrenamtsmanagements. Das Seminarangebot will aber nicht nur Führungstechniken vermitteln, sondern auch persönlich weiterbringen. „Aus der Befragung der Führungskräfte wissen wir ja, dass sie ihr Engagement mit Beruf und Privatleben in Einklang bringen müssen“, sagt von Westphalen. „Nur so haben wir langfristig Freude aneinander“.

 

Auch Felix Hohmann war schon an dem Punkt, an dem es zu viel zu werden drohte. Als Sofortmaßnahme half ein gutes Gespräch mit seinem Beauftragten Danny Schlegel und eine Woche Funkstille. „Man muss lernen, mit sich selbst fürsorglich zu sein und Aufgaben nach Möglichkeit zu delegieren.“ Das will er beherzigen, wenn er nächstes Jahr sein Studium der Medizintechnik aufnimmt und weiter als Mechatroniker bei seinem bisherigen Arbeitgeber aushelfen wird.

Felix Hohmann hofft, dass sich das Nachwuchsprogramm fest etabliert, und sich aus dem Teilnehmerkreis ein Netzwerk bildet, das sich im Alltag stützt. Die wichtigste Unterstützung aber bekommt er von der Diözesangeschäftsstelle, seinem Beauftragen und seinem Helferteam. „Die Zusammenarbeit läuft fachlich und menschlich rund.“ Und dann gebe es ja auch immer wieder Einsätze, die als Erlebnisse in Erinnerung bleiben, ob mit dem Segway beim Hessentag oder, und hier schließt sich der Kreis, eben beim Sanitätsdienst im ewigen Rom.

Logo der Seminarreihe „Potentiale entdecken, führen lernen.“
Tags  
Malteser Logo

Not erkennen und Nähe geben: Ist das zu schaffen? 80.000 ehren- und hauptamtliche Malteser in Deutschland geben darauf die Antwort, indem sie anpacken. Wir schaffen das, weil wir es können – und weil wir glauben!