ALLGEMEIN, KOMPETENZ IN DEMENZ

Kein Recht auf Reha mit Demenz? So einfach geht es nicht!

Auch Menschen mit Demenz können sich den Oberschenkelhals brechen und auch sie bedürfen nach der Operation einer stationären Rehabilitation. Allerdings kann es ihnen passieren, dass die Krankenkasse die Kostenübernahme ablehnt und sich dabei auf die pauschale Einschätzung des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) beruft, dass infolge der Demenz keine Rehabilitationsfähigkeit bestehe und somit eine positive Prognose der Maßnahme nicht gegeben werden könne.

Das wird nach einem Urteil des Landessozialgerichts Stuttgart zukünftig so nicht mehr möglich sein. Geklagt hatte eine 78 Jahre alte Versicherte, die seit 2013 an Alzheimer leidet und 2016 zusammen mit ihrem Ehemann an einer vierwöchigen Reha-Maßnahme teilgenommen hatte. Die behandelnden Neurologen hatten die Maßnahme beantragt, eine positive Beeinflussung des Krankheitsverlaufs vorhergesagt und die Rehabilitationsfähigkeit der Patientin in allen Punkten bejaht. Nicht so der von der Krankenkasse eingeschaltete MDK, der wie eingangs beschrieben, der Patienten sowohl Reha-Fähigkeit als auch Reha-Prognose ohne nähere Begründung absprach, worauf die Krankenkasse eine Kostenübernahme ablehnte. Das war rechtswidrig, stellte das Gericht jetzt fest und gab der klagenden Patientin in allen Punkten recht.

Ein hoffnungsvolles Signal für Patienten, insbesondere für ältere und an Demenz erkrankte. Ihnen kann zukünftig nicht mehr einfach eine notwendige Reha-Maßnahme verweigert haben, „nur“ weil sie eine Demenz haben. Vielmehr muss auf den Einzelfall geschaut werden. Und wenn die körperliche und geistige Aktivierung und eine Hilfe zur teilweisen Selbsthilfe mit angepassten Rehaprogrammen erreicht werden können, auch mit Unterstützung durch den Partner oder eines Angehörigen, dann gelten sowohl der Grundsatz „Reha vor Pflege“ als auch das Recht auf Reha. Die Krankenkasse muss zahlen, und die ethisch bedenkliche Frage, ob sich eine medizinische Maßnahme angesichts des Alters oder des Zustands eines Patienten noch lohnt, ist dann hoffentlich endgültig mit Ja! beantwortet.

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