Michael Sudau
ALLGEMEIN

Mit Mitte 20 mittendrin

Junge Ehrenamtliche engagieren sich in ihrer Umgebung

Kontakt zu den Maltesern? Nein, das hatte Jonas früher nicht. Nicht einmal wirklich gekannt hat er sie, ehe er seine ehrenamtliche Mitarbeit ins Auge gefasst hat. „Und ich wusste auch nicht, dass es eine ehrenamtliche Flüchtlingshilfe gibt.“ Das Hobby des 24-Jährigen war Rugby. Vor einem Jahr dann fragte ihn seine Mutter, ob er nicht mit Kindern von drei bis 13 Jahren, die in einer Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete in Kaiserslautern leben, „etwas machen will“. Der angehende Wirtschaftswissenschaftler sagte Ja. Nun spielt er zwei Mal im Monat mit den Kindern Fußball, bastelt oder pflanzt Kräuter und Büsche mit ihnen. „Da kriege ich schon nostalgische Gefühle an meine eigene Jugendzeit, wenn wir draußen an der frischen Luft spielen“, sagt er.

Jonas Kratz
Jonas vor der Einrichtung in Kaiserslautern. Foto: privat

 

Projektarbeit ist angesagt

Junge Menschen wählen ihr freiwilliges Engagement heute mehr und mehr gezielt aus. „Sich ganz einer Aufgabe und einem Verein zu verschreiben, ist bei den Jugendlichen und jungen Erwachsenen heute eher selten“, sagt Ruth Werthmann, Abteilungsleiterin Jugend und Schule in der Malteser Zentrale. Durch oftmals enge Zeitpläne in Schule, Ausbildung, Studium oder zum Berufseinstieg gebunden, seien die Möglichkeiten in der Freizeit eingeschränkt.

Zusammen mit Vertretern aus Gliederungen und Diensten sitzt Ruth Werthmann derzeit regelmäßig zusammen, um Wege auszuloten, wie junge Frauen und Männer in die Dienste hineinwachsen können. Dabei kristallisiert sich heraus: Erstens müssen die Jungen heute für die Mitarbeit geworben werden, von allein kommen die wenigsten; zweitens sollen sie richtig willkommen geheißen werden und drittens müssen die „Neuen“ schnell erkennen können, wie sie sich einbringen können. Gute Beispiele für den vielerorts ersehnten Nachwuchs sind zahlreich, aber nicht einfach zu übertragen. In die Rezeptur zur Gewinnung von jungen Ehrenamtlichen gehört auf jeden Fall eine Kultur des Miteinanders, in der auch sie ihren Platz haben.

Bisher noch selten sind junge Malteser in der Hospizarbeit. Sofia, 23 Jahre, ist eine von ihnen. Sie begleitet in Berlin als ehrenamtliche Hospizhelferin schwerkranke Menschen. „Zum Reden da sein, vorlesen, mit einkaufen gehen oder Sitzwache am Krankenbett halten, um die Angehörigen zu entlasten“, beschreibt sie ihre Hilfe. Die Physiotherapeutin hat vor einem halben Jahr ihre Ausbildung abgeschlossen und freut sich, helfen zu können. Die Kranken, die sie begleitet, und deren Angehörige sind dankbar dafür. „Krankheit und Sterben gehören zum Leben. Das wird leider oft schlecht dargestellt“, findet sie. „Ich mag ältere Menschen, sie haben viel erlebt.“ Als sie vor fünf Jahren mit einer Bekannten sprach, die in der Hospizarbeit tätig ist, nahm ihr Engagement Fahrt auf. In der heißen Phase ihrer Berufsausbildung war es mal weniger. Doch jetzt hat sie wieder mehr Zeit, auch weil sie ihre Besuche neben dem Job recht flexibel vereinbaren kann. Kommt mal etwas dazwischen, ruft sie an und vereinbart einen anderen Zeitpunkt.

Ehrenamtliche wie Sofia möchte auch die Bundesregierung stärker für die Sterbe- und Trauerbegleitung gewinnen. Deshalb unterstützt das Jugendministerium ein Pilotprojekt der Malteser. Mit dem soll herausgefunden werden, wie die 18- bis 30-Jährigen für das Begleiten eines schwerkranken jungen Menschen gewonnen werden können – durch „interessieren, stärken und beteiligen“, wie der Projekttitel besagt. Dabei geht es darum, jungen Menschen die Gelegenheit zu bieten sich über „Sterben, Tod und Trauer“ auszutauschen, sie für die Hospizbegleitung zu gewinnen und schwer erkrankten Kindern und Jugendlichen möglichst altersgleiche Ansprechpartner anzubieten. Bisher nämlich sind die Ansprechpartner oft mindestens 20 Jahre älter – und damit nicht auf Augenhöhe bei Alltagsthemen wie Schule, Musik oder Computerspielen.

Sofia begleitet schwer kranke Menschen in Berlin. Foto: privat

Übergang gestalten – Junge begleiten

Mittendrin in der Malteser Arbeit steckt auch Max. Mit nur 23 Jahren ist er Zugführer in Bad Honnef. Das Amt hat vor kurzem aus den Händen seines 35-jährigen Vorgängers übernommen. 66 Frauen und Männer sind in seiner Einsatzeinheit, die sich aus drei Gliederungen zusammensetzt. Als die Redaktion ihn am Telefon erreicht, erledigt er die „Verwaltung, die zum Jahresanfang gemacht werden muss“. Ansonsten organisiert Max Gruppenabende, meist mit medizinischen Themen besetzte Schulungen. Der gelernte Elektriker und angehende Medizintechniker ist schon seit neun Jahren bei den Maltesern. Eingestiegen ist er als Schulsanitäter. „So kommen auch heute noch die meisten Jungen in die Einsatzdienste“, sagt er. „Wichtig ist, dass beim Übergang aus dem Schulsanitätsdienst oder auch aus der Jugend schon ältere Bekannte da sind, an die sich die Jüngeren auch halten.“ In der fachlichen Fortbildung setzen sie in Bad Honnef auf „Mentoren“: Ältere Malteser, die zum Beispiel Erfahrung als Jugendbetreuer haben, unterstützen die Jüngeren, die als Notfallhelfer noch nicht alles wissen können, was in der Schulung vorausgesetzt wird.

Es gibt bei den Maltesern viele weitere Angebote und Dienste, in denen Jugendliche und junge Erwachsene sich engagieren. Der „Wohlfühlmorgen“ für obdachlose Menschen ist vielerorts mit dem Engagement von Schülerinnen und Schülern verknüpft. Im Hausnotruf oder Menüservice sind es viele, die ein Freiwilliges Soziales Jahr oder einen Bundesfreiwilligendienst leisten. Und auch in der Ausbildung gibt es oft junge Dozenten. So wie Michael Sudau aus Offenburg in der Erzdiözese Freiburg. Der 25-Jährige bietet Erste-Hilfe-Kurse an und bildet Gruppenleiterinnen und Gruppenleiter aus. „Ich will die Ausbildung mitgestalten und die Hemmschwelle in der Bevölkerung, Erste Hilfe zu leisten, abbauen helfen“, sagt er. Auch er hat die Malteser als Schulsanitäter kennengelernt. Seit 2008 ist er ununterbrochen dabei. Mittlerweile studiert er Medizin und fühlt sich „dem Verein einfach verbunden.“

Den Jugendlichen zwischen 15 und 18 Jahren, die er ausbildet, gibt er seine eigene Euphorie immer gerne mit. Er glaubt, dass auch die Älteren im Verband sich den „jugendlichen Leichtsinn erhalten müssen und nicht zu verbissen an alten Wegen festhalten dürfen“, um die Jüngeren mitzunehmen auf dem Weg ins Engagement bei den Maltesern.

 

Max, Zugführer aus Bad Honnef, mit einem Kollegen beim Einsatz. Foto: Ulf Krüger

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Interessierst auch du dich für ein Ehrenamt bei den Maltesern? Wir freuen uns immer über neue Mitstreiterinnen und Mitstreiter. Hier haben wir ein paar Ideen gesammelt: https://bit.ly/2FlQvrk und hier findest du ein Formular, mit dem du dich direkt bei uns melden kannst: https://bit.ly/2XF8krf

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