Der Malteser Hausnotruf kann auch bei psychischen Notfällen helfen.
ALLGEMEIN, GESUNDHEIT

Montagsangst

[…] Ich mag keine Wochenenden. Erklären kann ich das nicht wirklich, aber an Wochenenden fühle ich mich noch einsamer als ohnehin. Vielleicht auch, weil mein Rhythmus durcheinander kommt. Und dann die Montagsangst. So mag ich sie nennen. Muss noch ein Überbleibsel aus der Zeit im Angestelltenverhältnis sein. Würde mich zumindest nicht wundern, bei dem was passiert ist.

Zwischen Sonntag und Montag, entweder nachts oder morgens, bekomme ich bisher zumindest die schlimmsten Panikattacken. Früher habe ich dann den Rettungsdienst gerufen, weil es für mich ein Notfall war. Das erklärte ich ja bereits schon, die Diskrepanz in der Erkennung zwischen echten und gefühlten Notfall. Für mich fühlt sich beides gleich an und löst auch beides Todesangst aus. Ich rufe aber nicht mehr um Hilfe, weil es mir zu peinlich ist. Zu peinlich, die Reaktionen der anderen. Die gefühlte Reaktion der anderen, auch wenn sie es nicht sagen. Hinzu kommt die herangewachsene Angst vor Krankenhäusern. Warum wohl? Diese Frage stellte sich lange auch nicht mehr, aber wenn doch? Das kann ja nicht so bleiben, da es sich ja auch einmal um einen echten Notfall handeln könnte. Ein unannehmbarer Zustand, eigentlich.

Das fand auch meine Krankenkasse, deshalb habe ich einen Hausnotruf bekommen. Ein roter Knopf wie im Krankenhaus, den ich im, auch gefühlten, Notfall drücken kann. […] Sollte einmal die Notwendigkeit bestehen, meldet sich eine freundliche Stimme am anderen Ende der Leitung, die nach meinem Befinden fragt und ob ich nur reden möchte oder wünsche, dass jemand oder der Rettungsdienst vorbeikommt. Da man dort alle medizinischen Details kennt, weiß man auch damit umzugehen. Lange Zeit habe ich es nicht benutzt. Doch es ist noch gar nicht lange her, eine Woche, da war es soweit. Erst schwankte und zögerte ich, doch der Leidensdruck und die Angst wurden schier unerträglich. Ich drückte …

Tutzeichen erklangen wie man sie vom Modem früher kennt. Eine Computerstimme meldete sich: „Bleiben Sie bitte ruhig! Ich rufe für Sie Hilfe!“ Wieder Tutzeichen.
„Hausnotrufzentrale. Ich bin verbunden mit dem Anschluss von Frau Hören“, sagte eine freundliche Männerstimme und fügte hinzu, „wie kann ich Ihnen helfen, Frau Hören?“

Ich erzählte ihm, wo der Schuh bei mir drückt und wie stark die Angst wäre. „Soll ich den Rettungsdienst rufen oder Ihnen die Schwester schicken“, fragte er. „Nein!“, schoss es aus mir raus, „auf keinen Fall ins Krankenhaus!“ Beruhigend sprach der Mann auf mich ein, sicherte mir zu die Schwester zu schicken und verwickelte mich in ein ruhiges, ablenkendes Gespräch.

Die Tür öffnete sich, denn die Schwester hat einen Wohnungsschlüssel. Sie kam in die Küche, sah mich, legte die mitgebrachten Leckerlis für Nala auf den Tisch und nahm mich erst einmal ganz feste und lange in den Arm. […]

Menschlichkeit On-Demand vs Montagsangst

Franziska Katharina Hören ist Journalistin und Radiomoderatorin. Sie lebt u.a. mit einer posttraumatischen Belastungsstörung, einer Depression und einer Angst- und Panikstörung. Darüber berichtet sie in ihrem Buch „Einzelhaft Echt Ich – So lebe ich im Westen (Angst und Wut, Band 1)“.

Der Hausnotruf der Malteser hilft ihr im Alltag sehr, wie dieser Textauszug aus dem Buch zeigt. Wir bedanken uns herzlich für die Bereitstellung des Texts für unseren Blog.

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