An immer mehr Orten bieten die Malteser einen Begleitdienst für Kinder und Jugendliche mit Handicap an
JUGEND UND SCHULE

Schulbegleiter fördern die Selbstständigkeit von Schülern mit Förderbedarf

Fabio ist 13 Jahre alt, geht in die siebte Klasse am Gymnasium, hat Mathe und Sport als Lieblingsfächer und steuert mit den Händen, die unmittelbar an den Schultern ansetzen, virtuos seinen Elektrorollstuhl. Beim Ein- und Auspacken  seiner Sachen im Ranzen hilft ihm Niklas, sein Schulbegleiter von den Maltesern. Er stützt ihn auch, wenn mal Treppen zu Fuß zu bewältigen sind, denn auch Fabios Beine sind beeinträchtigt. „Ich hätte nicht gedacht, wie eigenständig jemand sein kann, der eine Behinderung hat“, erinnert sich Niklas. „Ich übernehme nichts für ihn, sondern helfe nur bei den Sachen, die er wirklich nicht kann.“

Schultags um 7.45 Uhr trifft Niklas, der 20 Jahre alt ist und nach dem Abitur gerade ein Freiwilliges Soziales Jahr bei den Maltesern macht, Fabio vor der Schule. Der muss nicht gefahren werden, sondern kommt mit seinem E-Rolli mit dem Bus, was zu arrangieren nicht einfach war. „Das haben wir durchgeboxt“, ist Fabio stolz. Sieben Schulbegleiter, alle von den Maltesern, hatte Fabio bisher. Die wechseln jedes Schuljahr aufgrund der einjährigen Dienstzeit. „Ich war immer sehr zufrieden“, sagt das blonde Temperamentsbündel. „Wenn mal jemand krank ist, kommt ein anderer ersatzweise.“

„Wichtig ist für uns, bei den Schulbegleitungen genau hinzuschauen, was das jeweilige Kind braucht“, betont Carmen Meyer, die als Dienststellenleiterin der Malteser in Altenstadt 18 Schulbegleiter koordiniert. Passt eine junge Frau oder ein junger Mann besser? Meist entstehen Tandems des gleichen Geschlechts. Das macht das Helfen einfacher – beispielsweise beim Toilettengang. Die Schulbegleiter haben auch eine Brückenfunktion. Meyer: „Wir sind das Bindeglied zwischen Schule und Eltern. Denn es gibt ja auch Kinder, die zu Hause nichts von der Schule erzählen können. Da braucht es einiges Geschick, diese Lücke zu schließen.“

Dieser Blick aufs Ganze ist das Plus der Malteser bei  Schulbegleitungen – und die jungen Begleitpersonen. „Die Kinder und gerade die Jugendlichen mit Handicap verstehen sich besser mit jüngeren Begleitern und finden sie cooler als beispielsweise Frauen in meinem Alter“, erläutert die 49-jährige Dienststellenleiterin. „Die Akzeptanz in der Klasse ist ebenfalls einfacher.“ In einer 40-stündigen Fortbildung zum Behindertenbegleiter lernen die Schulbegleiter den Umgang mit Menschen mit Behinderung, aber auch ihre Rechte und Pflichten als Assistenten in der Schule.

Für Carmen Meyer ist der Schulbegleitdienst eine Erfolgsgeschichte: „Regelmäßig haben wir auch ältere Freiwillige dabei, die dadurch einen guten Einstieg zurück ins Berufsleben finden. Vier von den ‚Ü27‘, also Freiwillige, die ihr FSJ oder den Bundesfreiwilligendienst gemacht haben, als sie älter als 27 waren, arbeiten inzwischen bei uns in Vollzeit.“ Aus den Schulbegleitungen sind außerdem  in Altenstadt Ferienfreizeiten für junge Menschen mit und ohne Behinderung entstanden. Einmal haben sie Drillinge mitgenommen, drei Jungs, einer von ihnen behindert. „Das war das erste Mal seit 15 Jahren, dass wir eine Woche für uns hatten, dass alle drei Kinder gleichzeitig untergebracht und gut betreut waren“, sagten die Eltern, als sie ihre Drillinge nach einer Woche abholten. „Wenn wir eine solche Ferienfreizeit anbieten, werden wir schier überrannt“, freut sich Carmen Meyer. Auch eine Erfolgsgeschichte.

Alle Infos, sowohl für Eltern, Lehrer als auch für Interessierte, die sich für die Arbeit als Schulbegleiter interessieren, gibt es hier: www.malteser-schulbegleiter.de.

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