Die Helfer der Obdachlosenhilfe in Paris
INTERNATIONAL, SICH ENGAGIEREN

Same Same but different – Soziales Ehrenamt der Malteser in Frankreich

Text und Fotos: Pia Schievink

Jeden Samstag treffen sich die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer der Malteser-Gruppe der katholischen Gemeinde St. Elisabeth im 3. Arrondissement von Paris, um den Obdachlosen aus der Gegend ein Frühstück anzubieten.

Morgens um 8.30 Uhr wird die Tür geöffnet. Die Helferinnen und Helfer treffen sich bereits um 8.00 Uhr, damit der Kaffee gekocht und die ersten Baguettes vorbereitet sind, wenn die ersten Gäste kommen. Ganz schön ungemütlich draußen ist es an diesem 4. Mai, an dem ich das französische Team verstärken darf. Ca. 12 Grad und Regen. Punkt 8.30 Uhr wird ein kurzes gemeinsames Gebet gesprochen. Draußen warten schon die ersten Gäste, die Tür wird aufgemacht und ca. 15 Obdachlose betreten den kleinen Raum, in dem an zwei großen Tafeln je ca. 10 Personen Platz finden. Martin, ehrenamtlicher Helfer und Koordinator des Malteser Obdachlosenfrühstücks in St. Elisabeth, wirbelt in der kleinen Teeküche und bereitet heisse Schokolade, Tee oder Kaffee – je nachdem, was gewünscht wird. Laurence, Benoît und ich nehmen die Bestellungen auf, beschmieren fleissig Baguette mit Butter, Konfitüre oder Schokocreme und bringen alles an die Tische zu den Gästen. Eigentlich sind immer zwei bis drei Helfer mehr im Einsatz, doch diese Woche ist Malteser-Woche in Lourdes. Viele der Aktiven sind unterwegs, sodass man hier froh über jede zusätzliche helfende Hand ist.

Viel Zeit zu Gespräch und Begegnung bleibt daher heute leider nicht. Dabei macht mein gebrochenes Französisch die Gäste neugierig: „Wo kommen Sie denn her? Ahhhh, Köln, deutsch spreche ich auch. Ich hab da mal eine Weile gelebt. Setzten Sie sich doch kurz zu uns und erzählen mal, was machen Sie denn hier in Paris?“ Ab und zu setzte ich mich doch mal zu dem Ein oder Anderen und wir plaudern ein wenig.

Nachschub ist auf dem Weg

Gegen 10.00 Uhr kommt die Lieferung der übrig gebliebenen Sandwiches und Salate von einer großen Sandwichkette. Bevor alles weggeschmissen wird, wird es hierher gebracht und wir verteilen es an unsere Gäste.

Um 12.30 Uhr ist dann alles vorbei, die letzten Gäste werden verabschiedet und die Tür wird wieder geschlossen. Ca. 70 Menschen waren heute zu Gast. 20 Baguettes, in kleinen Portionen mit Butter und Konfitüre bestrichen, ca. 30 Liter Kaffee und drei Kisten Sandwiches und Salate haben wir an diesem Vormittag ausgegeben. Mit großem „alles Gute, Pia! Komm uns mal wieder besuchen!“ und einem „bis nächste Woche“ für die bekannten Gesichter gehen alle wieder ihrer Wege – zurück auf die Straße, in den Regen, der leider immer noch nicht aufgehört hat.

Obdachlosenhilfe in Paris
Die Autorin mit einem Helfer und Besuchern des Obdachlosen-Frühstücks in Paris

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Eine gute Zeit für Patienten

Am Nachmittag geht es weiter zum Invalidendom, wo zum Einen die Touristen das Grab von Napoleon bewundern, aber auch schwer verletzte Militärs im Hospital direkt nebenan liegen und auf Besuch warten. Jeden Mittwoch und jeden Samstag gibt es eine Gruppe von Malteser Ehrenamtlichen, die hier ihren Dienst tun. Heute darf ich mitmachen. Yvette, Isabelle, Christiano und Béatrice sind ein eingespieltes Team. Bevor es in die Zimmer zu den Patienten geht, werden die zu besuchenden Personen auf uns alle aufgeteilt und kurz aktuelle Informationen ausgetauscht. Und dann geht es auch schon los zu den Patienten, Zeit miteinander verbringen, zuhören, Karten spielen, Trost spenden, Bilder anschauen, Erinnerungen teilen, Hoffnung geben. Zum Abschluss treffen wir uns alle in der Cafeteria des Hospitals wieder, um die Erfahrungen auszutauschen und auch, um einfach zu plaudern. Neugierig fragen die französischen Kollegen, was die Malteser in Deutschland denn tun und wie es kommt, dass ich eigentlich da bin. Ich erzähle Ihnen von der Skilled-Volunteers-Idee, der Idee, Malteser Ehrenamtliche verschiedener Länder gemeinsam aktiv werden zu lassen und in einen Austausch zu kommen. Alle haben großes Interesse und sind begeistert „ja, Pia, schick uns gerne deutsche Malteser, damit wir unsere Dienste gemeinsam tun können!“

Die Idee hinter dem Besuch

Auch das Team vom Vormittag war von der Skilled-Volunteers-Idee begeistert. Gemeinsam mit Malteser Ehrenamtlichen aus anderen Ländern aktiv zu werden finden alle spannend und interessant – und ja, eine zusätzliche helfende Hand kann natürlich auch nie schaden, im Gegenteil!

Aus eigener Erfahrung kann auch ich nach diesen kurzen Begegnungen empfehlen: werden Sie gemeinsam mit Ihren Malteser Kolleginnen und Kollegen aktiv und lassen sich begeistern und inspirieren! Ob in Frankreich, Irland, Österreich, Belarus, Rußland, Rumänien, Ungarn oder Albanien. Überall gibt es viel für die Malteser zu tun und überall sind sie bereits aktiv. Machen Sie gerne mit und werden tätig als Skilled Volunteer! Konkrete Ausschreibungen und weitere Informationen zum Programm gibt es unter www.malteser.de/skilled-volunteers. Auskunft erteilt Pia Schievink (pia.schievink@malteser.org).

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